Zurück ins elterliche Weingut:Wie Winzertöchter die Mosel "instagrammable" machen
von Alina Bähr
Dass Aline und Josephine zurück in ihr Heimatdorf ziehen, war lange undenkbar. Jetzt übernehmen die Schwestern das Weingut ihrer Eltern - mit neuen Ideen im Gepäck.
Aline und Josefine Knodt machen die Mosel mit modernen Weinproben für junge Menschen attraktiv.
21.09.2026Die Weißburgunderernte steht an. Aline und Josephine Knodt stehen in Gummistiefeln auf dem Weinberg und gehen von Rebe zu Rebe. Zwischendurch machen sie ein zwei Fotos, stecken das Handy aber schnell wieder ein. An den Pflanzen hängen schon viele Trauben. Jede einzelne gehen die Schwestern durch. Die kleinen schrumpeligen Beeren schneiden sie ab. Die wollen sie später nicht im Wein haben, sonst schmecke er nicht. "Negative Vorlese nennt sich das", erklärt Aline Knodt.
Heute Nachmittag kommt ein Bekannter mit dem Vollernter, eine Maschine, die die Weintrauben maschinell von den Rebstöcken löst. Kippt der Vollernter erstmal alle Trauben in einen Anhänger, können sie diese nur noch schwer sortieren.
Trotz der Hitze in diesem Sommer sehen die meisten Reben gut aus. Eine Erleichterung für die Schwestern, die die Weinlese genauestens durchgetaktet haben.
Im Südwesten Deutschlands hat die Traubenlese begonnen - wegen der heißen Temperaturen besonders früh.
12.08.2026 | 1:37 minSchwestern wollten nichts mit Wein zu tun haben
Nach ihrer Schulzeit wollten die beiden erstmal raus, raus aus Kröv, ihrem kleinen Dorf an der Mosel.
Wenn man uns vor zehn Jahren gefragt hätte: 'Werdet ihr das hier übernehmen?', hätten wir wahrscheinlich beide 'Nein' gesagt.
Josephine Knodt-Krewer, Medienwissenschaftlerin
Für ihr Studium ging es für die Schwestern in verschiedene Städte, zwischenzeitlich auch ins Ausland. "In Städten gibt es viele Vorzüge, wie in Cafés zu gehen, mal abends auszugehen, nicht weit fahren zu müssen; das war super", erzählt Aline Knodt. In der Corona-Pandemie ziehen die Schwestern wieder nach Hause.
Der Klimawandel macht auch Winzern zu schaffen: Mehr Regen und mehr Sonne erschweren die Anbaubedingungen.
06.11.2024 | 0:54 minUnd dann waren wir beide zurück in unserem kleinen Kinderzimmer bei unseren Eltern und haben hier erstmal mitgeholfen und gearbeitet.
Aline Knodt, Winzerin
Neues Marketingkonzept fürs Familienunternehmen
"Während der Pandemie standen wir erstmal vor der Frage: Wie kriegen wir den Wein überhaupt an die Kunden?", sagt Josephine Knodt-Krewer. Vor allem die Laufkundschaft fehlte dem Familienunternehmen. Die Schwestern erstellten kurzerhand Social-Media-Accounts und teilen ihren Arbeitsalltag und bewerben ihre Weine. Ihre Accounts haben mittlerweile über 30.000 Follower.
Die Schwestern können seitdem sie zurückgekommen nicht nur mehr Zeit mit der Familie verbringen, sondern sich auch im Weingut ihrer Eltern ausprobieren. Eine weitere Idee: Weinproben für junge Menschen - mit Blick auf die Moselschleife. Werbung machen sie dafür ausschließlich über Social Media. Dabei setzen sie auf eine "bestimmte Ästhetik". In ihren Videos zeigen sie beige dekorierte Tische mit kleinen Blumensträußen und üppigen Käseplatten. Zwischendurch sind junge Frauen zu sehen, die mit der Moselschleife im Hintergrund für ein Foto posieren.
Viele junge Leute zieht es an die Moselschleife
Quelle: some wine and friendsIhre Events sind fast immer ausgebucht. "Wir hatten letztes Jahr zwei Mädels, die extra aus London hierhin geflogen sind", sagt Aline Knodt.
Mit ihren Veranstaltungen bauen Aline und Josephine Knodt ein wichtiges zweites Standbein für das Familienunternehmen auf. Auch an ihrem Betrieb gehen die aktuellen Herausforderungen der Branche nicht vorbei. In Deutschland wird weniger Alkohol getrunken. Der Absatz sinkt, die Produktionskosten steigen.
Die Traubenlese hat längst begonnen, doch viele Winzer haben ihren alten Wein noch gar nicht verkaufen können.
13.08.2026 | 2:30 minTrotz Herausforderung: Die nächste Generation übernimmt
Für Aline und Josephine Knodt ist schnell klar, wenn sie in das Weingut der Familie einsteigen, dann nur zusammen. So können sie sich gegenseitig den Rücken stärken, wenn es mal darauf ankommt.
Dass die Schwestern trotz der Herausforderung die Familientradition fortführen wollen, konnten ihre Eltern zunächst nicht glauben. "Wir waren komplett überrascht, dass sie mit so einem Elan in den Betrieb gehen und so viele junge Leute als Kunden angezogen haben", erzählt ihr Vater Udo Knodt.
Event an der Moselschleife
Quelle: some wine and friendsRückkehr ins Weingut richtige Entscheidung
Beim Weißburgunder packen heute beide Generationen mit an. Nachdem der Vollernter alle Trauben auf einem Hänger verladen hat, geht es für die Familie zurück zum Weingut. Dort müssen die frisch geernteten Trauben schnell gepresst werden, damit die Qualität nicht verloren geht.
Haben die Schwestern eine freie Minute, machen sie schnell ein paar Fotos und Videos. Die können sie später nutzen, um online zu erklären, wie die Weiterverarbeitung der Trauben funktioniert.
Es ist schön zu sehen, wenn die Trauben verarbeitet werden, […] wie unser kleines Baby, das langsam groß wird, bis ins Frühjahr hin, wenn wir den ersten Teil des Jahrgangs abfüllen.
Aline Knodt, Winzerin
Und mit jedem neuen Jahrgang merken die Schwestern: Es war die richtige Entscheidung zurückzukommen. In ein paar Jahren werden sie das Weingut ihrer Eltern vollständig übernehmen.
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