Film zeigt Sexismus im TV:Lustig war, was Männer definierten
von Christiane Lange
Die ZDF-Coproduktion "Was haben wir gelacht" startet in den Kinos. Sie zeigt, inwiefern das Unterhaltungsfernsehen und der Humor der 90er Jahre männlich geprägt waren.
Das Unterhaltungsfernsehen in den 90er- und frühen 2000er-Jahre war männerdominiert. Im Film "Was haben wir gelacht" blicken fünf Frauen auf ihr Schaffen in der Branche zurück.
13.07.2026 | 2:45 minFünf Frauen aus der damaligen Unterhaltungsbranche, darunter Gaby Köster, Hella von Sinnen, Esther Schweins, Maren Kroymann und Bettina Böttinger, blicken zurück auf ihr Schaffen in einer männerdominierten Umgebung.
Die Protagonistinnen erzählen von Sexismus und Frauenfeindlichkeit in der Film- und Medienbranche der 90er und 2000er.
Quelle: action pressDamals lustig, heute teils schauerlich
Mehr als zwei Jahre lang haben die Journalistinnen und Filmemacherinnen Eva Müller, Jahrgang 1979, und Isabel Schneider, Jahrgang 1995, recherchiert.
Es fing damit an, dass ich einen Archivausschnitt von Hella von Sinnen gefunden habe, in dem sie als junge Frau über sexistische Erfahrungen im Kölner Karneval erzählt.
Isabel Schneider, Filmemacherin
Männer hätten sie ausgepfiffen, weil sie keine frauenfeindlichen Witze erzählt habe. Der Ausschnitt ließ Schneider nicht los. Sie verfolgte die Debatte um Thomas Gottschalks teils anzügliche Witze bei "Wetten, dass..?" und begann, das deutsche Unterhaltungsfernsehen aus Frauenperspektive zu untersuchen.
Hass und Drohungen schlagen nicht etwa den männlichen Tätern, sondern den Frauen entgegen, die über sexualisierte Gewalt sprechen. Salwa Houmsi fragt: Wann wechselt die Scham die Seite?
15.05.2026 | 44:55 minIm Zentrum stand die Frage, wie Humor im TV gesellschaftliche Muster prägt. Eva Müller, die unter anderem mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, stieg in das Projekt ein. "Ich bin 1979 geboren und habe in den 90ern viel ferngesehen. Trotzdem war ich geschockt, als ich die Ausschnitte heute noch einmal sah und merkte, wie wenig ich damals wahrgenommen habe, was da eigentlich los war", sagt sie im Interview mit ZDFheute.
Der Dokumentarfilm "Was haben wir gelacht" blickt auf die TV-Unterhaltungskultur der 1990er-Jahre - mit dabei: Maren Kroymann. Wir haben die Satirikerin in Berlin getroffen.
16.07.2026 | 6:01 minHumor war Männersache
Doch was war damals los? Im Fernsehen ging es doch bunt und lustig zu. "Zumindest für die männlichen Zuschauer", sagt Müller. Die Recherche zeichnet ein klares Bild der 1990er- und 2000er-Jahre: Männer bestimmten, worüber gelacht wurde. Frauen traten meist als "Sängerinnen, Ansagerinnen oder Assistentinnen" auf. Humor war ein Machtinstrument. Maren Kroymann bringt es in der ZDF-Coproduktion auf den Punkt:
Wer sagt, worüber gelacht wird, hat Macht und das waren die Männer.
Maren Kroymann, Schauspielerin und Kabarettistin
Kroymann war die erste Frau mit einer eigenen Satiresendung im deutschen Fernsehen. Erstmals wurden dort auch Frauenthemen behandelt. Im Interview erinnert sie sich an die Anfangszeit:
Ein Regisseur sagte damals: Fürs Schreiben haben wir unsere Leute. Du singst jetzt ein Lied, gehst zweimal über die Bühne und wackelst mit dem Arsch.
Maren Kroymann, Schauspielerin
Überspitzt formuliert, habe dies dennoch die damaligen Verhältnisse treffend beschrieben.
Die Kölnerin Gaby Köster nimmt kein Blatt vor den Mund und hat dabei geholfen, den Weg für Frauen im TV zu ebnen. In der ZDF-Dokumentation "Was haben wir gelacht" spricht sie über ihre Erfahrungen.
03.07.2026 | 2:14 minKarneval als harte Schule
Hella von Sinnen gehörte in den 1980er-Jahren zu den wenigen Frauen auf den Bühnen des Kölner Karnevals. Als "Putzfrau Schmitz" musste sie sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten. Im Film erinnert sie sich: "Wenn die Rednerin kam, gingen die Männer geschlossen raus, um Kölsch zu trinken oder ein Würstchen zu essen. Das war verletzend und frustrierend. Karneval ist ganz harte Schule!"
Die Regisseurinnen zeigen mit ihrer Arbeit, dass sich alle Protagonistinnen ihren Platz in der Männerwelt Fernsehen hart erkämpfen mussten.
Wir erklären euch, wie das mit dem Fernsehen in Deutschland angefangen hat.
21.11.2025 | 1:40 minHumor auf Kosten von Opfern
Witze auf Kosten von Gewaltopfern seien keine Ausnahme gewesen, sagt Eva Müller. Sie verweist auf einen TV-Ausschnitt, in dem die Ohrfeige thematisiert wird, die Verona Feldbusch von ihrem damaligen Mann Dieter Bohlen erhalten hatte. Karl Dall kommentierte darin: "Es hätte schlimmer kommen können. Dieter Bohlen wohnt schließlich in Tötensen."
Problematisch sei gewesen, dass solche Inhalte stets als bloßer Spaß relativiert wurden. Erst heute werde sichtbar, dass dahinter strukturelle Muster standen.
Es gibt ein Muster, wie Frauen behandelt wurden.
Eva Müller, Journalistin und Filmemacherin
Mit ihrem Dokumentarfilm blicken Eva Müller und Isabel Schneider kritisch auf die deutsche TV-Landschaft der 90er und 2000er.
Quelle: action pressDie Aktualität des Films
Heute sei "die lustige Frau im Fernsehen möglich. Gleichzeitig erleben wir einen massiven Backlash", sagt Isabel Schneider. Für sie ist das vor allem eine Machtfrage: Wenn Frauen Räume gewännen, gebe es auch Kräfte, die diese wieder zurückdrängen wollten. Gerade deshalb sei die Auseinandersetzung mit Humor und seinen gesellschaftlichen Folgen heute wichtiger denn je.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Weitere Panorama-Themen
Nachrichten | hallo deutschland:Prominente Gäste bei Berliner Produzentenfest
von Maya ZanettinVideo1:21Nachrichten | hallo deutschland:Franziska Hartmann über ihre Schauspielehe
von Steffen WachsVideo7:59Nachrichten | hallo deutschland:Ehren-Oscar für Schauspielerin Glenn Close
von Christina EsselbornVideo0:46Nachrichten | hallo deutschland:Mirren singt König Charles ein Ständchen
von Astrid HenrysonVideo0:54