Rodler Felix Loch zu Online-Hass: "Das ist für mich abscheulich"

Interview

Online-Hass gegen Athleten:Rodler Loch: "Da läuft es mir eiskalt den Buckel runter"

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Sie kämpfen um Medaillen und werden dabei online angefeindet - Sportler sind bei Olympia konfrontiert mit Hass im Netz. Rennrodler Felix Loch erklärt, wie er sich davor schützt.

Rodler Felix Loch

Hasskommentare gegen Olympia-Stars könnten die Sportler aus der Bahn werfen oder die ganze Karriere zerstören, sagt Rodler Felix Loch bei ZDFheute live.

16.02.2026 | 13:52 min

US-Eiskunstlauf-Star Malinin - jahrelang ungeschlagen und absoluter Favorit - patzt in einer Kür und verpasst dadurch den Sieg. Die Folge: Online überrollt ihn eine Welle mit Hasskommentaren in Sozialen Netzwerken.

Das kennen auch deutsche Sportlerinnen und Sportler. Biathletin Vanessa Voigt, Skispringer Philipp Raimund und Ski-Rennfahrerin Emma Aicher werden während Olympia in den Sozialen Medien massiv angegangen. Voigt kündigte deshalb sogar eine Social-Media-Pause an.

Wie halten Sportler diesem Druck und Beleidigungen stand? Und wie reagiert man als Sportler auf den zunehmenden Online-Hass? Darüber hat ZDFheute live mit Rennrodler Felix Loch gesprochen.

Sehen Sie das gesamte Interview oben im Video oder lesen Sie hier Auszüge.

Das sagt Olympia-Rodler Felix Loch zu …

... Hasskommentaren gegen Olympia-Sportler

Da läuft es mir eiskalt den Buckel runter, wenn man solche Kommentare sieht, selber liest, selber bekommt.

Felix Loch, Rennrodler

Auch Loch selbst sah sich 2018 nach einem verpatzten Rennen mit Online-Hass konfrontiert. "Man macht das nicht mit Absicht, (...) ich fahre ja nicht mit Absicht die Bahn langsam runter", sagt Loch.

Umso schwerer wiege die mentale Belastung von Hasskommentaren nach einer Niederlage, gerade wenn man noch besonders jung sei. Sie könnten Sportler aus der Bahn werfen und im schlimmsten Fall sogar eine ganze Karriere zerstören, so Loch.

Der deutsche Rennrodler Felix Loch im Training bei den Olympischen Winterspielen in Cortina kurz vor dem Start

Der deutsche Rennrodler Felix Loch im Training bei den Olympischen Winterspielen in Cortina kurz vor dem Start

Quelle: IMAGO / Michael Kristen

... dem KI-Tool des DOSB gegen Hass im Netz

Um die Sportlerinnen und Sportler zu schützen, setzt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auf ein KI-Tool, das den Athleten zur Verfügung gestellt wird. Das Tool kann Beleidigungen, Drohungen sowie rassistische, sexistische und andere diskriminierende Inhalte in Echtzeit erkennen. Auf diese Weise wurden bisher 1.300 Hasskommentare herausgefiltert.

Olympische Winterspiele 2026

Die deutschen Sportlerinnen und Sportler bei Olympia werden im Internet massiv angegangen. Bislang gab es 1.300 solcher Fälle, einige davon werden nun von der Staatsanwaltschaft überprüft.

15.02.2026 | 0:17 min

Das ist Wahnsinn, wo leben wir denn bitte, dass wir sowas brauchen?

Felix Loch, Rennrodler

Er sei aber dankbar für das KI-Tool, sagt Loch. Früher habe niemand einen Gedanken an Hass im Netz verschwendet. Heutzutage sei es aber Realität, dass man sich Gedanken machen müsse, wie man die Sportler besser schützen könne. Dabei seien Fehler menschlich, egal ob im Sport oder in der Politik, sagt der Rennrodler. "Dass wir jetzt da mit solchen Mitteln arbeiten müssen, um uns dort zu schützen und dass es mal so weit kommt, hätte ich mir wirklich nie vorstellen können."

... dem eigenen Umgang mit Social Media

Negative Kommentare in Zeiten von sportlichen Niederlagen seien sehr verletzend. "Und es ist einfach unglaublich schade, dass sich die Leute irgendwo dort im Netz denken, sie sind anonym und können solche Sachen raushauen".

Für Loch ist es nach eigener Aussage deshalb wichtig, sich während der Wettkämpfe auf seinen Sport konzentrieren und den Kopf dafür frei haben zu können. Deshalb übernehme seine Frau in der Zeit auch seine Online-Aktivität. Das rät er auch anderen Athleten.

Rechtsanwältin Jessica Flint

Social-Media-Plattformen kommen ihrer Verantwortung nicht nach, rechtswidrige Inhalte zu löschen, so Rechtsanwältin Jessica Flint. Zusätzlich unterstützten sie die Strafverfolgung oft nicht.

16.02.2026 | 9:45 min

Wenn irgendwo was vielleicht daneben gegangen ist, wäre es natürlich schon gut, wenn man jemanden hat, der das Ganze ein bisschen aussortiert.

Felix Loch, Rennrodler

Auch Social-Media-Pausen bei Sportlern kann der Rennrodler nachvollziehen. Letztendlich sei es aber jedem Athleten selbst überlassen, wie er oder sie damit umgehe.

Das Interview führte Christian Hoch bei ZDFheute live, zusammengefasst hat es Laura Rosinus.

Mit Material von dpa, SID.

Über das Thema berichtete ZDFheute live am 16.02.2026 ab 15:00 Uhr.