Was wir wissen - und was nicht:Amokfahrt in Leipzig: Fahrer kommt in Psychiatrie
Ein 33-Jähriger steuert ein Auto in eine Fußgängerzone der Leipziger Innenstadt. Zwei Menschen sterben, der Fahrer soll nun in eine Psychiatrie kommen. Ein Überblick.
Nach der Amokfahrt in Leipzig mit zwei Todesopfern gedenken die Menschen der Opfer. Der mutmaßliche Täter wurde in die Psychiatrie eingewiesen.
05.05.2026 | 1:48 minIn der Leipziger Innenstadt ist Anfang der Woche ein Auto in mehrere Menschen gefahren. Der Fahrer wurde festgenommen. Er soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft in einer forensischen Psychiatrie untergebracht werden. Es gebe Hinweise auf eine zum Tatzeitpunkt "zumindest erheblich verminderte Schuldfähigkeit". Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was ist passiert?
Die Tat ereignete sich mitten in der Leipziger Fußgängerzone: Der Täter fuhr nach Polizeiangaben mit dem Fahrzeug über den Augustusplatz in die Grimmaische Straße bis über den Markt hinaus. Danach brachte der Fahrer das Auto selbst zum Stillstand.
Nach der Amokfahrt in Leipzig mit zwei Toten und mehreren Verletzten dauern die Ermittlungen weiter an. ZDF-Reporterin Steffi Moritz-Möller berichtet.
05.05.2026 | 1:20 minDie Rettungskräfte riefen einen "Massenanfall von Verletzten" aus. Das ist eine Situation, bei der spezielle Einsatzpläne greifen. Die Polizei sprach anfangs von einer "unübersichtlichen Lage" und bestätigte zunächst einen Toten, später dann zwei.
Was wissen wir über die Opfer?
Bei den beiden Todesopfern handelt es sich laut Polizei um eine 63-jährige Frau und einen 77-jährigen Mann, beide aus Leipzig.
Wie die Staatsanwaltschaft und die Polizei Leipzig mitteilten, wurden sechs Menschen im Alter von 21 bis 87 Jahren verletzt, darunter seien zwei schwer. Bei ihnen handele es sich um einen 75 Jahre alten Mann und eine 84 Jahre alte Frau. Zudem mussten mehr als 80 Menschen nach dem Geschehen betreut werden.
In Leipzig hat ein 33-jähriger Deutscher ein Auto in eine Fußgängerzone gesteuert. Zwei Menschen starben. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes.
05.05.2026 | 1:43 minWas wissen wir über den Täter?
Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei war der 33 Jahre alte Deutsche dieses Jahr bereits polizeilich aufgefallen, unter anderem wegen Bedrohung und ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld. Dabei handelt es sich um Vorfälle ohne körperliche Gewalt, etwa Beleidigungen oder Herabwürdigungen. Ermittlungs- oder Strafverfahren waren daraus bislang nicht hervorgegangen. Einträge im Bundeszentralregister liegen nach Angaben der Behörden ebenfalls nicht vor. Weitere Ermittlungs- oder Strafverfahren seien derzeit nicht anhängig.
Der Täter lebt nach Angaben der Staatsanwaltschaft in der Region Leipzig und ließ sich laut Polizei widerstandslos festnehmen. Er soll sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben, so die Polizei.
Ein Ermittlungsrichter ordnete am Tag nach der Tat die einstweilige Unterbringung des 33-Jährigen in einer forensischen Psychiatrie an, wie die Staatsanwaltschaft Leipzig mitteilte. Es seien "dringende Gründe" dafür vorhanden, dass der Beschuldigte die Tat "im Zustand der zumindest erheblich verminderten Schuldfähigkeit begangen hat". Nach bisherigen Erkenntnissen sei es wahrscheinlich, "dass der Beschuldigte aufgrund seines Zustandes weitere erhebliche rechtswidrige Taten vergleichbarer Schwere begehen wird".
Die Grimmaische Straße ist eine zentrale Einkaufsstraße in Leipzig.
Quelle: ZDFDer Nachrichtenagentur AFP teilte eine Sprecherin des sächsischen Sozialministeriums in Dresden mit, der Mann habe sich bis Ende April bereits freiwillig in einer psychiatrischen Klinik aufgehalten. "Nach einem kurzen Aufenthalt wurde er Ende April 2026 entlassen", hieß es weiter.
Während dieses Aufenthalts in der Klinik bestand nach Ministeriumsangaben "keine Eigen- oder Fremdgefährdung". "Es lagen damit keine medizinischen Gründe vor, den Patienten, der sich freiwillig in der Klinik aufhielt, am Verlassen der Klinik zu hindern und damit gegen seinen Willen festzuhalten", erklärte die Sprecherin. Fragen nach der Behandlung und der Dauer des Klinikaufenthalts blieben unter Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht unbeantwortet.
In Leipzig hat ein 33-jähriger Deutscher ein Auto in eine Fußgängerzone gesteuert und zwei Menschen dabei getötet. Oberbürgermeister Burkhard Jung ist von der Anteilnahme in der Stadt berührt. "Ich hoffe, dass wir zusammenhalten", sagte er.
05.05.2026 | 1:45 minWas wissen wir über das Motiv?
Zu den Hintergründen der Tat gibt es weiterhin keine gesicherten Erkenntnisse. Hinweise auf ein politisches oder religiöses Motiv liegen nach Angaben der Ermittler nicht vor. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) hatte bereits von einem mutmaßlichen Einzeltäter gesprochen.
"Wir gehen von einer Amokfahrt aus", sagte die leitende Oberstaatsanwältin Claudia Laube bei einer Pressekonferenz am Tag der Tat. Es gebe derzeit "keinerlei Anhaltspunkte für eine andere Lesart, es gibt keinerlei Anhaltspunkte für einen weiteren Tatbeteiligten".
Nach der Amokfahrt eines 33-Jährigen mit zwei Toten und vielen Verletzten gedenkt Leipzig der Opfer. Die Frage nach dem Motiv bleibt offen. Die Stadt will nun ihr Sicherheitskonzept überprüfen.
05.05.2026 | 2:28 minAuch Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) bestätigte:
Es ist ein Amoktäter.
Armin Schuster (CDU), Sachsens Innenminister
"Wenn wir von einer Amokfahrt sprechen, dann spricht das für eine Tat, die in wütendem, rasendem Zustand geschieht und oft auch mit einer psychischen Labilität", sagte Schuster. "Ob das in diesem Fall zutrifft, werden Polizei und Staatsanwaltschaft klären."
Nach der Amokfahrt in Leipzig kommt die Frage auf, ob sich die Tat hätte verhindern lassen können. Heiko Teggatz, Bundesvorsitzender der deutschen Polizeigewerkschaft, ordnet die Situation ein.
05.05.2026 | 3:45 minWie geht es weiter?
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in vier Fällen. Die Polizei schaltete ein Hinweisportal und ein Hinweistelefon frei. Dort können Zeuginnen und Zeugen unter anderem Fotos und Videos hochladen sowie Hinweise zum Tathergang geben.
Polizei Sachsen auf X
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Die Einkaufsstraße in der Leipziger Innenstadt wurde inzwischen wieder für Passanten freigegeben. Die meisten Geschäfte blieben jedoch vorerst geschlossen.
Die Stadt Leipzig hat angekündigt, die betroffene Straße dauerhaft gegen das Befahren mit Fahrzeugen zu sichern. Das soll zeitnah umgesetzt werden.
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagte zudem, die Behörden würden sich das Zufahrtskonzept für die Innenstadt "sehr genau" anschauen und prüfen, wo der Schutz verbessert werden könnte. "Klar ist aber auch: Wir können die Innenstädte nicht zu Festungen umbauen", erklärte Jung, der auch Präsident des Deutschen Städtetags ist. Es gehe darum, Lebensqualität für die Menschen zu erhalten und auch Wege für Rettungskräfte und Lieferverkehr freizuhalten.
In der Stadt herrscht große Trauer und Fassungslosigkeit. Viele Menschen haben Kerzen und Blumen niedergelegt und bei Andachten der Opfer gedacht. Sachsens Regierung ordnete Trauerbeflaggung an allen Gebäuden von Behörden und Dienststellen des Freistaates an.
"Unser Mitgefühl gilt den Familien und Angehörigen der Opfer", sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). "In Gedanken sind wir bei ihnen und allen, die von diesem schrecklichen Ereignis betroffen sind."
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