Versuchte Erpressung?:Rattengift in Hipp-Babykost in Österreich gefunden
In Österreich ist ein mit Rattengift versetztes Hipp-Babygläschen gefunden worden - der Hersteller spricht von einem "externen kriminellen Eingriff". Was bisher bekannt ist.
In Österreich ist einem Glas Babynahrung des Herstellers Hipp Rattengift entdeckt worden. Ein Produktrückruf wurde gestartet, für Produkte in Deutschland gab die Firma Entwarnung.
19.04.2026 | 0:22 minIn einem Gläschen mit Babynahrung in Österreich ist Rattengift entdeckt worden. Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) hatte zuvor von einem mutmaßlichen Erpressungsversuch der Herstellerfirma Hipp gesprochen - sie strich diesen Hinweis später aus ihrer Pressemitteilung.
Der Hersteller Hipp bestätigt jedoch Manipulationen und spricht von einem "externen kriminellen Eingriff". Auch Behörden in Deutschland, der Slowakei und der Tschechischen Republik ermitteln. Das Ingolstädter Polizeipräsidium bestätigte eine Erpressung nicht.
Hipp ruft komplettes Babygläschen-Sortiment bei Spar in Österreich zurück
Das Unternehmen hatte am Freitagabend in Österreich sein gesamtes Sortiment an Babygläschen bei der Supermarktkette Spar wegen Gesundheitsrisiken zurückgerufen. Ein im Bundesstaat Burgenland sichergestelltes Hipp-Gläschen wurde nach Angaben der österreichischen Polizei tags zuvor positiv auf Rattengift getestet, ein zweites vergiftetes Glas sei womöglich im Umlauf.
Hipp hatte zuvor zu seinem Rückruf erklärt, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass durch "Manipulation" ein "gefährlicher Stoff" in die "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel 190 Gramm" gemischt worden sei. Für Deutschland gab Hipp hingegen Entwarnung.
Sprecher: Deutschland nicht von manipulierten Gläschen betroffen
Nun erklärte ein Unternehmenssprecher dann auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, Deutschland sei von den Manipulationen "nicht betroffen". Er betonte, "nach aktuellem, behördlich bestätigtem Kenntnisstand betrifft der Fall ausschließlich klar abgegrenzte Vertriebswege". Hingegen wurden auch in Tschechien und der Slowakei Hipp-Gläschen sichergestellt.
Polizei im Burgenland: Rattengift in Gläschen nachgewiesen
Die Landespolizeidirektion von Burgenland teilte mit, dass eines der Gläschen positiv auf Rattengift getestet worden sei. "Dieses Gläschen war von einem Kunden gemeldet worden, ein Verzehr hat nicht stattgefunden", hieß es. Das Gläschen war in dem Ort Schützen am Gebirge sichergestellt worden.
Polizeisprecher Helmut Marban erklärte der österreichischen Nachrichtenagentur APA, dass nach Annahme der Behörden "zumindest noch ein zweites" manipuliertes Gläschen verkauft worden sei. Dieses Produkt könnte nach seinen Angaben ebenfalls mit Rattengift versetzt sein.
Bisher kein Verdächtiger ausgemacht
Einen Verdächtigen gab es nach Angaben der österreichischen Polizei zunächst nicht. Dass es sich um einen Erpressungsversuch handeln könnte, wollte Polizeisprecher Marban nicht bestätigen. Er verwies dabei auf laufende Ermittlungen in Deutschland, die er "nicht konterkarieren" wolle.
Die manipulierten Gläschen wurden den österreichischen Angaben zufolge mit einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden gekennzeichnet. Hinzu komme ein geöffneter oder beschädigter Deckel und ein fehlender Sicherheitsverschluss, wodurch das Knack-Geräusch beim ersten Öffnen fehle. Zeugen hätten auch von einem "ungewöhnlichen oder verdorbenen Geruch" berichtet.
Appell an Eltern: Bei auffälligen Symptomen "unbedingt" Arzt aufsuchen
Die österreichische Polizei rief die Bevölkerung zu "erhöhter Aufmerksamkeit und rascher Meldung verdächtiger Wahrnehmungen" auf. Bei Auffälligkeiten sollten die Gläschen nicht geöffnet und keinesfalls Kindern zum Verzehr gegeben werden. Ages appellierte an Eltern, bei auftretenden Blutungen, extremer Schwäche oder Blässe ihres Kindes "unbedingt" die Ärztin oder den Arzt aufzusuchen.
Der Hipp-Sprecher in Deutschland betonte, der Vorfall stehe "in keinem Zusammenhang mit Produktqualität oder Herstellung". Die Produktions-, Qualitäts- und Kontrollprozesse bei dem Babynahrungshersteller seien "uneingeschränkt intakt". Laut Ages wird in Rattengiften meist der Wirkstoff Bromadiolon verwendet. Er hemmt die Wirkung von Vitamin K, das für die Blutgerinnung erforderlich ist. Bromadiolon kann demnach etwa zu Zahnfleisch- oder Nasenbluten, blauen Flecken oder Blut im Stuhl führen.