Die Spieltheorie und die Regeln der Macht | Terra-X-Kolumne

Kolumne

Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Spieltheorie - so funktionieren die Regeln der Macht

von Christian Rieck

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Klimaschutz, Tarifstreit, Alltag: Oft entscheidet nicht der Mensch, sondern die Regeln des Spiels. Die Spieltheorie offenbart die meist unsichtbaren Mechanismen hinter Konflikten.

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Christian Rieck


Warum eskalieren Konflikte und warum treffen vernünftige Menschen immer wieder Entscheidungen, die scheinbar niemandem nützen? Die Spieltheorie hat dafür eine überraschende Erklärung: Das Problem sind oft nicht die Menschen - sondern die Regeln, nach denen sie spielen.

In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.


Ständig versuchen wir vorauszuahnen, wie andere handeln. Der größte Fehler dabei: Wir neigen dazu, Entscheidungen ausschließlich aus unserer eigenen Perspektive zu betrachten und vergessen, dass wir das Ergebnis nur zum Teil bestimmen können.

Wer spielt welches Spiel?

Die Spieltheorie macht diese oft unsichtbaren Mechanismen sichtbar. Sie liefert keine Anleitung zum Gewinnen, sondern eine Methode, um strategische Situationen in Politik, Wirtschaft und Alltag zu verstehen. Sie zwingt uns zu der Frage: In welchem Spiel stecken Entscheidungsträger und Beteiligte?

"Kann Spieltheorie die Welt retten?": Auf einem Spielbrett stehen Uncle Sam und ein Bär im Scheinwerferlicht.

Warum kooperieren wir? Welche Strategien helfen uns bei Entscheidungen? Ob bei geopolitischen Konflikten oder im globalen KI-Wettlauf: Die Spieltheorie hat die Antwort.

10.09.2026 | 43:47 min

Strategisches Gleichgewicht bedeutet Stillstand

Viele Menschen glauben, dass stabile, konfliktfreie Zustände oder Systeme erstrebenswert seien und als Qualitätsgarant interpretiert werden. Doch das ist ein Irrtum.

Die Spieltheorie spricht von einem Nash-Gleichgewicht, wenn keiner der Beteiligten einen Anreiz hat, sein Verhalten zu verändern. Solche Gleichgewichte können sinnvoll sein - müssen es aber nicht. Denn sie beschreiben lediglich einen Zustand und sagen nichts darüber aus, ob er gerecht, effizient und erstrebenswert ist.

Leon Windscheid schaut frontal in die Kamera. Neben ihm zeigt eine Grafik eine Waage. Auf der einen Waagschale ist ein Stapel Münzen, auf der anderen ein traurig sitzender Mensch.

Wer hat wie viel – und warum? Warum empfinden wir manches als gerecht, anderes nicht? Terra Xplore erklärt die Psychologie hinter unserem Sinn für Fairness – und wie wir besser damit umgehen können.

27.05.2025 | 18:56 min

Dieses simple Muster kennen viele aus dem Alltag: Die Spülmaschine ist fertig und jeder Einzelne hofft, dass jemand anderes sie ausräumt. Für den Einzelnen ist das bequem. Führt aber zu einem schlechteren gemeinsamen Ergebnis.

Problem Klimaschutz: Wenn gemeinsame Ziele nicht reichen

Dieses Dilemma zeigt sich auch beim schleppenden Klimaschutz: Denn wer heute handelt, trägt als Erster die vorrausgehenden Kosten. Vom Erfolg profitieren langfristig alle und macht das Abwarten reizvoll.

Kooperation kann also selbst dann scheitern, wenn alle sich über das Ziel einig sind. Viele Probleme existieren nicht, weil niemand eine bessere Lösung kennt. Sondern weil niemand sie allein umsetzen kann.

Maja Göpel

Warum handeln wir trotz spürbarer Klimakrise zu spät? Die Transformationsforscherin Maja Göpel spricht über Blockaden, Mehrheiten für Wandel und die Chancen, die Demokratie uns bietet.

06.08.2026 | 10:57 min

Eskalieren, gewinnen oder verlieren?

Erst wenn unterschiedliche Interessen aufeinander treffen, treten neue Spielregeln und -theorien, wie das sogenannte "Chicken Game oder Feiglingsspiel" auf den Plan: Wollen zwei Seiten ihren Willen durchsetzen, hofft jeder, dass der andere nachgibt. Für beide ist ein Nachgeben unangenehm - aber eine Eskalation wäre erheblich schlimmer.

Dieses Muster begegnet uns häufig in Tarifverhandlungen, politischen Krisen, persönlichen Konflikten und nicht zuletzt im Rüstungswettbewerb des Kalten Krieges.

Harald Lesch blickt auf Friedenstaube - im Hintergrund Panzer

Frieden schaffen, aber wie? Harald Lesch beleuchtet neue Erkenntnisse aus der Friedensforschung: Wie lassen sich Kriege beenden oder in Zukunft sogar ganz vermeiden?

07.11.2023 | 29:07 min

Oft versuchen beide Seiten, ihre Maximalforderungen möglichst lange aufrechtzuerhalten. Die entscheidende Frage lautet nicht, wer recht hat, sondern wer zuerst blinzelt.

Warum weniger Freiheit mehr Macht bedeutet

Gefährlich wird es, wenn entschlossene Strategen glaubhaft zeigen, dass Ausweichmöglichkeiten nicht mehr zur Verfügung stehen. Damit verschärft sich die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation und verändert die Entscheidungsgrundlage des Gegenübers fundamental.

Mai Thi Nguyen-Kim bei MAITHINK X

Wir glauben, rational zu handeln, werden aber ständig von Emotionen, Routinen und Denkfehlern gesteuert. Wie kommt das? Und wie können wir klügere Entscheidungen treffen?

26.04.2026 | 30:15 min

Spieltheoretiker nennen dieses Prinzip Brinkmanship - das Spiel mit dem Feuer. Der strategische Druck entsteht aus dem Risiko und einer Drohung, bei der das weitere Geschehen dem Zufall überlassen wird. Sie zwingt das Gegenüber, die eigene Strategie zu überdenken.

Die eigentliche Lehre der Spieltheorie

Die Spieltheorie fragt nicht nach der sinnvollsten Lösung - sondern verändert den Blick auf das Problem. Sie zeigt nicht nur, warum Konflikte entstehen. Sie hilft dabei zu erkennen, an welchen Stellen sich die Regeln verändern lassen.

Wer die Anreize versteht, kann Situationen oft so gestalten, dass Kooperation wahrscheinlicher und Konflikte seltener werden. Die eigentliche Kunst besteht nicht darin, das Spiel besser zu spielen. Sondern zu erkennen, welches Spiel gespielt wird und ein besseres zu schaffen.

Die Systemforscherin Antje Boetius steht auf einem Boot und schaut lächelnd in die Kamera. Hinter ihr im Wasser fährt ein Schiff zwischen Eisbergen entlang.

Wie kann der Mensch auch in Zukunft überleben, ohne weiter die Natur zu zerstören? Systemforscherin Antje Boetius begleitet Expeditionen in extreme Naturräume und entdeckt Chancen, die Hoffnung schenken.

06.10.2024 | 43:30 min

... ist Professor für Finance und Wirtschaftstheorie an der Frankfurt University of Applied Science mit Schwerpunkt auf Markttheorie, Behavioral Finance und Spieltheorie. Bei YouTube erklärt er, wie spieltheoretische Mechanismen eine neue Perspektive auf Alltag, Gesellschaft und Zukunft werfen.


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Über dieses Thema berichtete die NANO Doku "Kann die Spieltheorie die Welt retten?" am 10.09.2026 um 20:15 Uhr bei 3sat.

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