WM im Sommer - zu heiß für Fußball? | Terra-X-Kolumne

Kolumne

Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:WM bei Extremhitze: Warum der Fußball neu priorisieren muss

von Tim Meyer

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Bei der Fußball-WM im Sommer ist an vielen Spielorten mit hohen Außentemperaturen zu rechnen. Was das für Spieler bedeutet - und warum Zuschauer besonders gefährdet sind.

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Tim Meyer


Das kürzlich beendete Forschungsprojekt "Football in the Heat" sollte Auswirkungen von Hitze auf den professionellen Fußball analysieren, aber lieferte schließlich Empfehlungen für den gesamten deutschen (Amateur-)Fußball - denn der Klimawandel mit unvermeidlich höheren Temperaturen wird in der nahen Zukunft ein Problem, auf das sich alle (Sport-)Gruppen der Gesellschaft einstellen müssen.

In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.


So verändert Hitze das Spielgeschehen der WM

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft erlebt es gerade stellvertretend zur Weltmeisterschaft in den USA, wo an vielen Spielorten mit wesentlich stärkerer Hitze und Luftfeuchtigkeit zu rechnen ist als hierzulande - und damit mit elementaren Konsequenzen.

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Nach aktuellen Erkenntnissen der Wissenschaft ist zu erwarten, dass das Spiel langsamer wird. Spieler "pacen" sich - bewusst oder unbewusst - selbst, spielen mehr Sicherheitspässe und vermeiden intensive Läufe. Damit versuchen sie zu vermeiden, dass ein Hitzekrampf, -kollaps oder gar Hitzschlag auftritt, was in der Regel gut gelingt.

Wo die Teams bei der Fußball-WM spielen (Fokus Eröffnung und Finale)

ZDFheute Infografik

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Größtes Risiko tragen nicht die Spieler

Während es sich bei professionellen Fußballern auf dem grünen Rasen um junge und vorwiegend gesunde Menschen handelt, die engmaschig medizinisch betreut werden, sind oft die Zuschauer das eigentliche Sorgenkind - denn sie sind älter, haben häufiger Vorerkrankungen und können sich oft nicht aus der prallen Sonne herausbewegen.

Damit sind sie stärker durch Hitzeerkrankungen gefährdet als die Spieler, zumal der Zugang zu Kühlung oder Getränken in Einlasssituationen oder auf der Tribüne erschwert ist.

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Warum Hitze den Amateursport sogar härter trifft

Unterhalb der höchsten Ligen verlagert sich das Problem. Zuschauer sind bei Amateurspielen zwar nicht gesünder und jünger, können jedoch leichter Schatten und Getränke erreichen. Bei Spielern und Schiedsrichtern sieht es anders aus: Gerade in den unteren Ligen sind Spieler weniger fit, gesundheitlich anfälliger und medizinisch schlechter betreut.

Hinzu kommt die Belastung durch den Sport selbst: Fußball (und dynamischer Sport allgemein) erzeugt viel Körperwärme, die abgegeben werden muss, um die Körperkerntemperatur als wichtigen Parameter für die Organfunktionen möglichst konstant zu halten.

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Je höher die Umgebungstemperatur, desto geringer ist die Differenz zur Hauttemperatur und desto schlechter kann der Körper Wärme abgeben. Hohe Luftfeuchtigkeit erschwert die Schweißabgabe zusätzlich. Somit sind Amateurfußballer - insbesondere die älteren unter ihnen - eine Risikogruppe des Hitzemanagements im Sport.

Wenn Hitzeschutz am Geschäftsmodell scheitert

Eine naheliegende Empfehlung wäre, Spiele in die kühleren Abendstunden zu verlegen. Beim Profifußball scheitert das - im Gegensatz zum Amateurbereich - nicht an besetzten Spielfeldern, sondern an Gewohnheiten von Fans und wirtschaftlichen Interessen von Lizenzanbietern für Fernsehanstalten und Streaminganbieter.

Würden viele Spiele parallel in den Abendstunden laufen, ließen sich Medienrechte aufgrund der zusätzlichen Konkurrenzsituation deutlich schlechter vermarkten.

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Klimarealität statt Gewohnheit

Auch die Empfehlung, heiße Monate zu vermeiden, kollidiert noch mit den Erwartungen an den Fußballkalender, die bislang keine längere Pause dulden. Doch gerade für den Amateurbereich könnten längere Sommerpausen und eine effektivere Nutzung der Abendstunden helfen.

Was unabhängig davon sofort hilft, sind individuelle Hitzeschutzmaßnahmen: Sonnenschutzcreme, luftige Kleidung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und externe Kühlung durch Schatten in der Halbzeit oder in Eis gelegte Handtücher. Auch für die Profis werden zur WM feste Trinkpausen eingeplant.

Die Empfehlungen für Hitzeschutz einzubeziehen wäre ein echtes Zeichen, dass der Fußball als weltweit größte Einzelsportart auf den Klimawandel reagiert und mit sinnvollen Maßnahmen als gutes Beispiel vorangeht.

Professor Harald Lesch

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... ist Professor für Sport- und Präventivmedizin an der Uni Saarland und betreute als Mannschaftsarzt von 2001 bis 2022 die deutsche Fußballnationalmannschaft. Neben seinen Tätigkeiten für verschiedene Gremien von DFL, DFB  und UEFA konzentriert er sich auf internationale Fußballforschung und -beratung.


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Über dieses Thema berichtete die NANO-Sendung "WM-Sommer - zu heiß für Fußball" bei 3sat am 11.06.2026 um 18:30 Uhr.

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