Werkeln gegen Demenz
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Ein offenes Angebot in Stuttgart bringt Männer mit und ohne Demenz zusammen: Durch gemeinschaftliches Werkeln sollen die Erkrankten gefordert und gefördert werden. Volle Kanne hat den „Männerschuppen“ besucht.
Bei einer Demenzerkrankung gilt es die individuell noch vorhandenen Fähigkeiten zu fördern, Anregungen zu schaffen und Erinnerungen durch Betätigung, Sinneseindrücke und Erleben zu wecken. Häufig sind die Ideen zur Aktivierung und Anregung demenzkranker Menschen an der Lebenswelt von Frauen ausgerichtet, auch weil die Pflege eher weiblich geprägt ist. Spezielle Angebote für demenzkranke Männer orientieren sich an ihrer Lebenswelt, ihrer Vergangenheit, ihren Bedürfnissen.
Männerspezifisches Angebot
Innerhalb der sozialpsychiatrischen Altenarbeit gibt es Bestrebungen, Angebote zu machen, die sich speziell an Männer richten und ihre Bedürfnisse berücksichtigen. Dazu zählt auch der „Männerschuppen“, ein offenes Angebot in der Nähe von Stuttgart, das nicht innerhalb einer Pflegeeinrichtung angesiedelt ist. Männer mit und ohne Demenz – das Projekt hat einen inklusiven Ansatz – treffen sich in einer Werkstatt und befassen sich mit handwerklichen Tätigkeiten. Sie streichen und verschönern Regale, bauen einfache Möbelstücke, basteln mit Holz – sie werkeln.
Je nach Ausprägung der Demenzerkrankung brauchen die Teilnehmer mehr oder weniger Hilfe, können einfache Arbeiten verrichten oder vielleicht unter Anleitung auch etwas kompliziertere Aufgaben bewältigen. Das handwerkliche Arbeiten sind die meisten Männer aus ihrer Biographie her gewohnt. Hier setzt der konzeptionelle Ansatz an: Dinge aus der Vergangenheit, die den Männern bekannt sind, jetzt aber mit der Erkrankung und der Veränderung der Lebenssituation in Vergessenheit geraten sind, wiederzuentdecken und eine Möglichkeit zu bieten, verschüttete Talente auszuüben.
Kleine Erfolgserlebnisse
Bei einer Demenzerkrankung stehen Abbau und Defizite im Vordergrund, während der Arbeit in der Werkstatt rücken diese Aspekte für die Teilnehmer jedenfalls teilweise in den Hintergrund. Angebote wie der „Männerschuppen“ vermitteln den Teilnehmern Erlebnisse, die der Krankheit etwas entgegen setzen können. Wenn der Alltag geprägt ist durch Verluste und die Erfahrung dessen, was alles nicht mehr geht, setzen die einfachen handwerklichen Tätigkeiten am Erfahrungshorizont der Männer an.
Manche kennen dies aus dem Beruf, andere von alten Hobbys, wieder andere probieren aber auch etwas Neues aus und bewältigen diese Herausforderung. Kompetenzen und Fähigkeiten können reaktiviert werden durch Ausprobieren und Anleitung. Indem die Teilnehmer an Beruf oder Hobby anknüpfen, können bereits schon vergessene Fertigkeiten im Tun revitalisiert werden. Andere lernen etwas Neues kennen und erleben, dass es funktionieren kann. So wird das Selbstwertgefühl gestärkt und zugleich werden die individuellen Ressourcen gefördert.
Werkeln gegen die Erkrankung
Eine Demenzerkrankung, bei der hirnorganische Veränderungen zu Gedächtnisverlusten und Einschränkungen der Fähigkeiten führen, birgt die Gefahr, dass Betroffene in apathische Zustände abgleiten, Langeweile vorherrscht, herausforderndes Verhalten zunimmt. Dann können Anregungen von außen, eine sinnvolle Beschäftigung, eine Hilfe sein.
Angebote wie der „Männerschuppen“ werden die Erkrankung nicht aufhalten, aber den Umgang damit vielleicht etwas erträglicher machen. Eine Rolle spielt dabei auch, dass positiv besetzte Erlebnisse bei Demenzkranken noch länger nachwirken. Auch auf der Gefühlsebene sind so Erfolge zu spüren.
Weitere Tipps
Demenzkranke Männer benötigen Anregungen, die sich auch im privaten Bereich umsetzen lassen. Im Folgenden einige Beispiele: Man kann eine Werkzeugkiste mit Nägeln und Schrauben, Werkzeugen und Holz zur Verfügung stellen. Vielleicht kramt und sortiert der Betroffene darin, vielleicht probiert er etwas aus. Häufig gab es früher Interesse an Autos. Hier bietet sich ein Bildband mit Fahrzeugen an, den man gemeinsam anschauen kann. Freude kann auch eine Briefmarkensammlung machen zum Sortieren und Durchsehen.
Falls von der Konstitution noch möglich, sollte man demenzkranke Männer in einfache Tätigkeiten wie Laub fegen, Auto polieren oder Gartenarbeit mit einbeziehen. Manchmal lässt sich an berufliche Tätigkeiten anknüpfen, solche Verbindungen sind am einfachsten bei handwerklichen Berufen herzustellen. Sei es bei größeren Vorhaben wie dem Streichen eines Zimmers oder kleinen Dingen wie dem Auswechseln von Glühbirnen oder Bilder aufhängen können demenzkranke Männer mitwirken. Neben dem gemeinsamen Anschauen von Fotos können auch Zeugnisse und Zertifikate Anknüpfungspunkte sein, um Lebenserinnerung zu reaktivieren.
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