Nachhilfe ist kein Allheilmittel
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Pauken auch nach der Schule: Immer mehr Schüler nehmen heutzutage Nachhilfe – bei Mitschülern, Studenten oder Instituten. Die Branche boomt. Doch wem hilft das Extra-Büffeln für die Versetzung oder den besseren Notenschnitt?
Während es früher darum ging, versetzungsgefährdete Schüler damit zu retten, kriegt sie jetzt fast jeder: Nachhilfestunden. Nicht nur Schüler mit einer wackeligen Vier oder einer schlechteren Note pauken nach dem Unterricht mit Nachhilfelehrern. Mittlerweile wird der private Unterricht auch dazu genutzt, um gute Noten zu halten oder sogar noch zu verbessern.
Der Direktor des Forschungsinstituts für Bildung und Sozialökonomie (FIBS), Dr. Dieter Dohmen, vertritt die Meinung, dass Nachhilfe nicht immer das beste Mittel ist. „Nachhilfe kann etwa dann sinnvoll sein, wenn es darum geht, fachliche Lücken zu schließen, die im Unterricht selbst nicht mehr geschlossen werden können.“ So etwas könne nach einer langen Krankheit oder nach einem Umzug passieren, wenn die neue Klasse mit dem Stoff schon weiter sei. Oder aber, wenn andere Möglichkeiten nicht zum Erfolg geführt hätten und es insbesondere um fachliche oder Konzentrations- und Motivationsprobleme gehe.
Online-Nachhilfe erfordert Disziplin
Gerade mit dem Wechsel an die weiterführende Schule müssen sich die Kinder an neue Lerngewohnheiten anpassen. Am häufigsten bekommen Gymnasiasten Nachhilfe. Wählen können die Schüler zwischen der klassischen Nachhilfe beim Klassenkameraden, Freund oder Studenten, ebenso wie in einer institutionellen Einrichtung. Auch Ganztagsschulen und Horte bieten wiederholende Unterrichtseinheiten für die Schüler an.
Ein noch recht neuer Trend ist die Online-Nachhilfe. Bildungsexperte Dohmen: „Ein Onlineportal setzt Disziplin voraus, bei den meisten Schülern ist ja mangelnde Disziplin einer der Gründe, warum man Nachhilfe nimmt.“ Die Portale könnten zwar dabei helfen, Fragen zu Begrifflichkeiten oder Definitionen zu klären, aber meist seien zusätzliche Lerneinheiten nötig, um die schulischen Leistungen zu verbessern. Es gibt bereits erste Versuche mit Real-Time-Nachhilfe per Video-Chat. „Es wird sich zeigen müssen, ob diese Angebote, die im unmittelbaren Chat laufen, eine Alternative sein können“, sagt Dohmen.
Auf den Nachhilfelehrer kommt es an
Nicht jeder kann sich teure Nachhilfe leisten. Deshalb ist es umso wichtiger, auf das Preis-Leistungsverhältnis zu achten: „Wenn ein guter Nachhilfelehrer 15 oder 20 Euro nimmt, dann kann es das unter Umständen Wert sein, andere sind mit sieben Euro manchmal schon überbezahlt“, so der Bildungsexperte. Während Nachhilfeunterricht bei einem kommerziellen Anbieter meist teurer ist, können Eltern Geld sparen, wenn sie sich einen guten Schüler aus dem Freundeskreis oder einen Studenten engagieren.
Hin und wieder wollen Eltern auch selbst aushelfen – laut Dohmen nicht immer die beste Lösung: „Eltern können eine Hilfe sein, wenn sie in der Lage sind, auf das Kind und seine 'Notlage' einzugehen und zudem die fachlichen und pädagogischen Fähigkeiten haben. Das ist aber eher selten der Fall“, weiß Dohmen: „ Häufig ist es wohl eher so, dass Eltern nicht die besten Lehrer sind, da die Erwartungen hoch sind und die Geduld oft begrenzt ist.“ Meist sei es sinnvoller, jemanden von außerhalb als Nachhilfelehrer anzustellen. Nicht immer müsse es dabei Einzelunterricht sein. In einer Gruppe zu lernen, könne durchaus sinnvoll sein, wenn die Teilnehmer sich gegenseitig motivieren. Das sei auch eine Typfrage, so Dohmen.
Auf Platz 1 der Nachhilfefächer steht Mathe. Es gibt inzwischen sogar Anbieter, die sich auf Nachhilfe in Mathe spezialisiert haben. Das könnte unter anderem daran liegen, dass Mathematik neben Deutsch im Abitur ein Muss ist. „Hier geht es vor allem darum, den GAU zu verhindern“, meint Dohmen. Bringt auch die Nachhilfe nichts, müsse man sich vielleicht eingestehen, dass es ein Fach gibt, das man einfach nicht kann und hoffen, dass man in allen anderen Fächern keine Fünf hat, sodass die Versetzung nicht gefährdet ist.
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