"Wenn es eine Strategie ist, redet man darüber nicht, sondern macht es"
Der frühere CDU-Chef Armin Laschet kritisiert mangelnden Beistand für Merz durch CDU-Ministerpräsidenten – und die Lehren des Kanzlers nach der Sachsen-Anhalt-Wahl.
Der frühere CDU-Chef Armin Laschet hat einen mangelnden Beistand führender Politiker seiner Partei für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach der verlorenen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kritisiert. Das CDU-Präsidium habe am Wahlabend „weitgehend ohne die eigenen Ministerpräsidenten“ getagt, sagte Laschet am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „maybrit illner“. „Ich wäre als Ministerpräsident, wenn ein anderer Bundesvorsitzender in so einer schwierigen Lage gewesen wäre, hingegangen“, stellte Laschet klar, der von 2017 bis 2021 Regierungschef in Nordrhein-Westfalen war.
„Jeder wusste, dass das ein schwieriger Abend ist. Und wenn einige sogar in Berlin waren, hätte man da gut hingehen können und sollen“, kritisierte Laschet.
Medienberichten zufolge hatten die wichtigen CDU-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (Nordrhein-Westfalen), Boris Rhein (Hessen), Gordon Schnieder (Rheinland-Pfalz) und Michael Kretschmer (Sachsen) die Einladung ausgeschlagen, mit Merz den Wahlabend im Konrad-Adenauer-Haus zu verbringen.
Dass Merz am Tag nach der Wahlschlappe persönliche Verantwortung übernommen hat, begrüßte Laschet. Er finde es „eigentlich ehrenwert, dass er selbst sagt, es ist so, und ich habe meinen Anteil daran und ich will auch meinen Stil verändern“, lobte Laschet. „Das passiert selten, aber ist gut.“
Zugleich bezweifelte Laschet, dass die richtigen Lehren gezogen wurden. Gefragt nach der Schlussfolgerung, nun „emotionaler“ und „empathischer“ zu werden und „mehr zuzuhören“, sagte Laschet: „Solche Formulierungen sind furchtbar. Erstens, wenn es eine Strategie ist, redet man darüber nicht, sondern macht es.“
Der frühere CDU-Kanzlerkandidat fügte hinzu: „Ich kann diese ganzen Sprüche auch seit der Wahl wirklich nicht mehr hören. ‚Wir haben es falsch erklärt‘ – Nein, wir haben es nicht falsch erklärt, die Leute haben ganz bewusst so entschieden“, monierte Laschet, ohne Merz nochmals namentlich zu nennen. „‚Wir brauchen ein neues Narrativ’ – Nein, wir brauchen einen anderen Politikstil“, betonte Laschet. Der beginne aber auch damit, „dass wir nicht jeden Satz, jede Minute, nur überlegen, was tun wir gegen die AfD“, denn damit rücke die Partei immer wieder in den Mittelpunkt. „Wir müssen einfach sagen, für was machen wir Politik, welche Idee haben wir von diesem Land“, forderte Laschet.
Auf die Frage „Wie allein ist der Kanzler?“ antwortete der frühere CDU-Chef: „Er ist nicht allein, weil auch jeder weiß, es ist nicht nur der Bundeskanzler. All das Spekulieren, ‚ein anderer Bundeskanzler‘… die Probleme, die wir haben, hätte jeder im Moment“, konstatierte Laschet. „Und insofern, finde ich, muss man das auch mehr als Team auffassen, als nur über diese Personalie jetzt zu diskutieren.“
Kritik übte Laschet auch an seinem Nachfolger als nordrhein-westfälischer Regierungschef, Hendrik Wüst, der unmittelbar nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt die ergebnisoffene Prüfung eines AfD-Verbots durch eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe angeregt hatte. „Also den Zeitpunkt, nach so einem Wahlergebnis zu sagen, wir fangen jetzt darüber die Debatte an und gründen Arbeitsgruppen, halte ich für falsch“, sagte Laschet. „Ich glaube, man braucht auch keine Arbeitsgruppen.“ Er habe „Respekt vor denen, die das wollen“, sagte Laschet, machte aber klar: „Ich glaube, es geht schief.“ Ein Verbotsverfahren werde ein langer Prozess, und die AfD werde „die Legende nutzen“ und am Ende noch stärker werden. „Ich bin eher bei dem politischen Bekämpfen und nicht beim Verbieten.“
Ein Ausschnitt aus "maybrit illner“ mit dem Thema "Die Denkzettelwahl – was muss sich ändern?" vom 10. September 2026, um 22:15 Uhr im ZDF.