Lockern in der Pandemie – verrückt oder überfällig?
"maybrit illner“ mit dem Thema „Lockern in der Pandemie – verrückt oder überfällig?" vom 10. Februar 2022, um 22:30 Uhr im ZDF.
Ein europäisches Land nach dem anderen lockert seine Corona-Maßnahmen oder hebt sie ganz auf. Nun setzen sich auch die ersten Bundesländer vom harten Kurs des Bundesgesundheitsministers ab: Die 2G-Regel im Einzelhandelt kippt, die Regeln für Großveranstaltungen werden gelockert. Das Rheinland träumt schon wieder vom Karneval. Und Markus Söder will die einrichtungsbezogene Impfpflicht nicht umsetzen. Ist das alles Teil einer Exit-Strategie oder ein planloser Wettlauf ums Öffnen?
Bei Maybrit Illner diskutieren Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP), der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Sie treffen auf die Virologin Prof. Helga Rübsamen-Schaeff und den Humanmediziner Dr. Johannes Wimmer.
"maybrit illner“ mit dem Thema „Lockern in der Pandemie – verrückt oder überfällig?" am Donnerstag, den 10. Februar 2022, um 22:30 Uhr im ZDF.
Fakten-Box 10. Februar 2022
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am Donnerstag (10.02.2022) einen Anstieg der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet und damit erneut einen Höchstwert. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche mit 1465,4 an. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 1283,2 gelegen (Vormonat: 362,7). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 247.862 Corona-Neuinfektionen. Die Zahlen haben allerdings nur noch begrenzt Aussagekraft. Experten gehen von einer hohen Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind. Testkapazitäten und Gesundheitsämter sind vielerorts am Limit, Kontakte werden nur noch eingeschränkt nachverfolgt.
Seit Wochen melden die Labore neue bundesweite Höchstwerte, sowohl bei der Zahl durchgeführter Tests als auch beim Anteil positiv ausgefallener Ergebnisse. In vielen Bundesländern sei bereits mehr als jede zweite von allen ausgewerteten Proben positiv, hieß es etwa vom Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin, ALM. Die Positivrate, die bundesweit auf einen Höchstwert von rund 45 Prozent gestiegen ist, lässt darauf schließen, dass viele Infektionen derzeit nicht im Labor bestätigt werden und damit auch nicht in der offiziellen Statistik auftauchen. „Je höher der Positivenanteil bei gleichzeitig anhaltend hohen Fallzahlen ist, desto höher wird die Anzahl unerkannter Infizierter in einer Population berechnet (Untererfassung)“, schreibt das RKI in seinem Corona-Wochenbericht. Für RKI-Chef Lothar Wieler bedeutet dies aber nicht, dass der Durchblick beim Pandemieverlauf verloren ginge, weil es neben den reinen Fallzahlen viele weitere Daten zu Erkrankungen gebe. Darin zeige sich bisher kein Brechen der Welle.
Die Zahl der infizierten Corona-Patienten, die im Krankenhaus aufgenommen worden sind, gab das RKI mit einer Hospitalisierungsrate von 6,02 pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen an. Bei diesem Wert werden auch Menschen mitgezählt, die das Krankenhaus wegen einer anderen Erkrankung aufgesucht haben und erst bei ihrer Aufnahme positiv getestet wurden. Sie werden also nicht wegen Covid-19 behandelt. Einweisungen betreffen vor allem Normalstationen in den Hospitälern, weil der Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit der Omikron-Virus-Variante im Schnitt milder verläuft. Auf den Intensivstationen war die Zahl der Covid-19-Patienten zuletzt kontinuierlich gesunken, von Anfang Dezember mit 4900 Intensivpatienten auf 2200 Ende Januar. Mitte dieser Woche wird die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Patienten wieder mit knapp über 2350 angegeben.
Deutschlandweit wurden den Angaben des RKI zufolge binnen 24 Stunden 238 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus verzeichnet. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte am Dienstag im ZDF vor verfrühten Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen gewarnt und erklärt, wenn Deutschland den Weg Israels mit wegfallenden Maßnahmen gehen würde, käme Deutschland auf eine höhere Sterbequote. „Ich mag mir einfach gar nicht vorstellen, dass wir in einer Situation wären, so spät in der Pandemie, wo wir gute Impfungen haben, wo wir dann 400, 500 Tote am Tag hätten“, sagte Lauterbach. Diese Rechnung des Gesundheitsministers hat Kritik hervorgerufen. Ethikratsmitglied Stephan Rixen sagte gegenüber ZDFheute.de, dass „Bedrohungsszenarien ins Blaue hinein Grundrechtsbeschränkungen nicht rechtfertigen“ könnten. Thorsten Lehr, Leiter des Covid-19-Simulators, an der Universität des Saarlands teilte mit, dass 500 Corona-Tote pro Tag unter bestimmten Bedingungen möglich seien: „Nach unseren Simulationen sind 400 bis 500 Tote pro Tag im 7-Tage-Schnitt möglich, falls die Inzidenzen im Peak über 3.500 bis 4.000 liegen.“ Aktuell liegt die Inzidenz bei rund 1465, Tendenz steigend. Hamburgs CDU-Vorsitzender Christoph Ploß nannte Lauterbach bei „Bild“ einen „Angstminister“.
Quellen: Red. / dpa / reuters / afp / ap / epd / kna / RKI
Die Diskussion über die Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht zum 15. März hat an Schärfe zugenommen. Die Grenzen zwischen Ablehnung und Unterstützung der Impfpflicht für die Beschäftigten im Gesundheitswesen verlaufen dabei nicht entlang von Parteigrenzen. Während Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Impfpflicht aussetzen möchte, hält das CDU-geführte Nordrhein-Westfalen daran fest, während Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) dagegen ist, ist sein schleswig-holsteinischer Amtskollege Daniel Günther (CDU) dafür.
Söder hatte Anfang dieser Woche die Aussetzung des Vollzugs für Bayern angekündigt, weil das Gesetz in der jetzigen Form nicht umsetzbar sei und der Bund nachbessern müsse. Söder verwies auf die personelle Situation in den Heimen, wo es zu Engpässen kommen könnte, wenn ungeimpfte Pflegekräfte nicht mehr an ihren Arbeitsplatz dürfen. CDU-Chef Friedrich Merz hat die Aussetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht sogar für ganz Deutschland gefordert. Die Unionsfraktion hatte das Gesetz im Dezember im Bundestag mitbeschlossen.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mahnte Söder im Streit um die Impfpflicht zum Einhalten des Gesetzes. „Es ist eine schwierige Aufgabe, wenn man einen Ministerpräsidenten davon überzeugen muss, das Gesetz anzuwenden, was er selbst beschlossen hat“, sagte Lauterbach. „Wir sind als Politiker aufgefordert, unsere eigenen Gesetze sehr ernst zu nehmen, und wir verlangen das gleiche ja auch vom Bürger.“ Dies sei keine Schikane des Pflegepersonals, erklärte Lauterbach, sondern „eine lebensnotwendige Maßnahme, um die Schwächsten und die Ältesten vor dem Corona-Tod zu bewahren.“ Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ließ durch einen Regierungssprecher erklären, dass er davon ausgehe, „dass Gesetze eingehalten werden“. Dies sei „einer der Vorzüge des deutschen Rechtssystems“.
Das Gesetz zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht sieht vor, dass ab dem 15. März Beschäftigte von Einrichtungen wie Kliniken, Arztpraxen sowie Alten- und Pflegeheimen eine vollständige Impfung gegen das Coronavirus nachweisen müssen. Die Umsetzung der bundesgesetzlichen Regelung wurde den Ländern überlassen. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie hat die bayerische Ankündigung zur Aussetzung der Corona-Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen kritisiert. „Das ist ein unabgestimmter Schuss aus der Hüfte, der politisch im Moment wirklich das falsche Signal ist“, sagte Lilie der „Berliner Zeitung“. Damit werde die Akzeptanz von demokratisch beschlossenen Regeln untergraben, denen der Bundesrat inklusive Bayern einstimmig zugestimmt hat. Für die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Gerda Hasselfeldt, sind jedoch noch viele Fragen ungeklärt. Die frühere CSU-Landesgruppenchefin im Bundestag bemängelte, dass unklar sei, was passiere, wenn eine Pflegeeinrichtung wegen fehlenden Personals ihren Versorgungsauftrag nicht mehr erfüllen könne. Offen sei auch die Frage der Haftung, „wenn ungeimpftes Personal noch weiter beschäftigt wird, bis zum Beispiel das Gesundheitsamt endgültig entscheidet“.
Die Gesundheitsminister der Länder hatten auf ihrer Konferenz (GMK) am 22. Januar das Bundesgesundheitsministerium gebeten, gemeinsam mit den Ländern „unverzüglich alle offenen Vollzugsfragen durch Vollzugshinweise einschließlich der notwendigen Abwägungskriterien abzustimmen, welche die Gesundheitsämter bei der Ausübung ihres Ermessensspielraums leiten sollen“. In dem Beschlusspapier wurden als Beispiele die Prüfung von Nachweisen und Ausnahmetatbeständen genannt, die Anhörung der betroffenen Beschäftigten, die rechtssichere Einbindung der Arbeitgeber sowie die Art und Geltungsdauer der Sanktionen, bis hin zum Tätigkeitsverbot. Das Bundesgesundheitsministerium hatte schon eine Woche vor der GMK auf viele Vollzugsfragen einen 17-seitigen Katalog von Antworten veröffentlicht.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sieht die Debatte als schlechtes Vorzeichen für die mögliche allgemeine Impfpflicht. Wie die Meinungsbildung dazu im Bundestag laufe, wage er nicht abschließend zu beantworten. „Fest steht aber eines: Wenn es nicht gelingt, die einrichtungsbezogene Impfpflicht vernünftig auf den Weg zu bringen, dann sehe ich für eine allgemeine Impfpflicht kaum mehr Chancen“, sagte Haseloff der Deutschen Presse-Agentur.
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Wegen der hohen Corona-Infektionszahlen in Deutschland soll der Einsatz der genaueren PCR-Labortests stärker konzentriert werden. Es bleibt generell beim Anspruch auf kostenlosen PCR-Test – aber nur, wenn man zuerst einen positiven Antigen-Schnelltest von einer Teststelle bekommen hat. Gelten soll dies künftig auch bei den gerade bei vielen rot aufleuchtenden Warnhinweisen in der Warn-App. Das geht aus einem Verordnungsentwurf des Gesundheitsministeriums hervor. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Auf dem Höhepunkt der Pandemie setzen wir PCR-Tests gezielter ein.“ Sie sollen laut Ministerium im Kern auf Fälle konzentriert werden, bei denen gerade mit positiven Ergebnissen zu rechnen ist. Ziel sei, so das Pandemiegeschehen im Blick zu behalten, gefährdete Gruppen besonders zu schützen und Menschen Gewissheit zu geben, die positive Schnelltests haben. „Wer Gewissheit über eine Infektion benötigt, bekommt sie“, betonte Lauterbach. Hintergrund für die neue Testverordnung sind die wegen der Omikron-Welle knapperen Laborkapazitäten. Der Entwurf muss noch mit den Ländern abgestimmt werden.
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Eine Woche vor der nächsten Konferenz von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit den Ministerpräsidenten der Länder wird über weitreichende Lockerungen der Corona-Maßnahmen diskutiert. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) sagte in der „Bild“ voraus, spätestens zum 20. März dürften die Corona-Maßnahmen auslaufen, weil es dann keine Mehrheit im Bundestag mehr für eine Verlängerung geben werde. Der 19. März steht im Infektionsschutzgesetz als Enddatum für Verordnungen mit den Corona-Beschränkungen. Der Bundestag könnte die Gültigkeit einmalig um drei Monate verlängern. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck plädierte für deutliche Lockerungen. Man müsse vorsichtig zur Normalität zurück, sagte Streeck gegenüber dem „Münchner Merkur“. Da dürfe es aus seiner Sicht keinen Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften mehr geben. Es könne auch gut sein, dass man bereits weit vor Ostern „die meisten Maßnahmen“ fallen lassen könne. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte zwar auch Lockerungen “deutlich vor Ostern“ in Aussicht gestellt, aber vor verfrühten Lockerungen gewarnt (siehe auch Faktenbox zur Infektionslage). Kubicki erklärte daraufhin: „Ich halte es für bemerkenswert, wenn das verfassungsrechtlich begründete Ziel der Corona-Maßnahmen plötzlich verschoben wird – und zwar in dem Moment, in dem die Überlastung des Gesundheitssystems nicht mehr droht.“
Trotz steigender Corona-Infektionen durch die Omikron-Welle haben Krankenhäuser vorsichtige Signale der Entspannung gesendet. „Ich rechne aktuell für die kommenden Wochen nicht mehr mit einer Überlastung des deutschen Gesundheitswesens“, sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, der „Bild“-Zeitung. Gaß warnte wie Gesundheitsminister Karl Lauterbach jedoch vor einer übereilten Aufgabe von Schutz-Maßnahmen.
„Wir brauchen eine Öffnungsperspektive“, sagte dagegen der designierte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai zu Reuters TV. „In ganz Europa wird gerade geöffnet, und bei uns gibt es noch nicht einmal eine richtige Debatte, was eine richtige Exit-Strategie sein könnte.“ Vor allem sei es geboten, die 2G-Regel für den Einzelhandel bundesweit aufzuheben. Die 2G-Regelung sei von Anfang an eine enorme Belastung für den Handel gewesen, „aber mit Null Nutzen“. Die Auflage sei von der Realität überholt worden.
Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Hendrik Wüst (CDU) aus Nordrhein-Westfalen, sagte eine Woche vor dem nächsten Bund-Länder-Gipfel, es solle gemeinsam ein schrittweiser Plan für mehr Perspektiven beraten werden, „der die Öffnungen verantwortungsvoll mit einem Basisschutz absichert“. Das heiße: „Maske tragen und Abstand halten, da, wo es nötig ist.“ Auch Rheinland-Pfalz will auf Zugang nur für Geimpfte und Genesene (2G) im Handel verzichten. Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) sagte in Mainz, sie werde sich auf der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) dafür einsetzen, dass es einen bundeseinheitlichen Beschluss in dieser Frage geben werde. „Klar ist, dass 2G im Handel auf jeden Fall fallen wird.“ In zahlreichen Bundesländern läuft die 2G-Regel derzeit aus. Seit Mittwoch haben die Menschen in Brandenburg und Schleswig-Holstein ohne Geimpften- und Genesenennachweis wieder Zugang zu Geschäften, allerdings gilt weiterhin eine Maskenpflicht. In Hessen brauchen Kunden bereits seit Montag keinen Impf- oder Genesenennachweis mehr beim Einkaufen. Zuvor hatten mehrere Bundesländer die 2G-Regel im Einzelhandel bereits aufgrund von Gerichtsurteilen zurückgenommen, etwa Bayern, Niedersachsen und das Saarland. Auch in weiteren Bundesländern wie in Berlin, Hamburg und Bremen soll die 2G-Regel im Einzelhandel bald fallen.
Politiker der Ampel-Koalition forderten, bei möglichen Lockerungen zuerst Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen. „Kinder und Jugendliche brauchen endlich wieder vollständige Normalität, sie sollten von Öffnungen als erste profitieren“, sagte der Grünen-Abgeordnete Dieter Janecek der „Bild“. Sobald der Höhepunkt der Omikron-Welle überstanden sei, „gibt es mindestens für Grundschüler auch keinen Grund mehr für eine dauerhafte Maskenpflicht“, sagte Janecek. Auch FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) wollte Kindern einen „breiten Zugang zu Bildungs-, Sport- und Kultureinrichtungen“ ermöglichen. „Dies sollte unabhängig vom Impfstatus geschehen und bei Lockerungsmaßnahmen als erstes umgesetzt werden.“ Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland: „Bei der derzeitigen Diskussion über mögliche Lockerungen hat man allerdings erneut den Eindruck, dass die Politik bei ihren Überlegungen in erster Linie die Vorteile für die Wirtschaft im Blick hat und die möglichen Auswirkungen auf die Schulen keine wahrnehmbare Rolle spielen.“ Wenn die Inzidenzen in den Schulen „weiter so extrem hoch sind, muss die Politik unbedingt prüfen, ob Lockerungen in anderen Bereichen verantwortbar sind.“
Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Amira Mohamed Ali, hat der Bundesregierung ein „Maßnahmen-Chaos“ vorgeworfen. Bei den 2G-Regeln im Einzelhandel beklagte sie einen „Flickenteppich“. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel warf den Ländern eine „Verzögerungstaktik“ mit scheibchenweisen Aufhebungen vor. „Ob 2G oder 3G, mit oder ohne Test – sämtliche Corona-Regeln, Maßnahmen und Freiheitseinschränkungen müssen unverzüglich, vollständig und flächendeckend aufgehoben und den Bürgern die Eigenverantwortung für den Gesundheitsschutz zurückgegeben werden.“
Quellen: Red. / dpa / reuters / afp / ap / epd / kna / RKI
Trotz hoher Infektionszahlen lösen sich Deutschlands europäische Nachbarn von ihren Corona-Maßnahmen. Dänemark lockerte als eines der ersten Länder – und ließ fast alle Einschränkungen fallen. „Wir sagen 'Auf Wiedersehen' zu den Beschränkungen und 'Willkommen' zu dem Leben, das wir vor Corona kannten“, ließ Ministerpräsidentin Mette Frederiksen verlauten. Seit Februarbeginn muss weder Maske getragen noch ein Impfnachweis vorgezeigt werden, Konzerte finden mit voller Kapazität statt, in Clubs wird wieder getanzt. Zugleich rangiert die Sieben-Tage-Inzidenz weit höher als in Deutschland, zuletzt lag sie bei 5059. Dank hoher Impfzahlen ist die Überlastung der Krankenhäuser ausgeblieben. Schweden legt nach. In der Nacht auf Mittwoch wurde der Großteil der Corona-Maßnahmen aufgehoben. Clubs, Restaurants und Kneipen waren voll, die Menschen feierten ausgiebig – ohne Maske, ohne Abstand.
Auch in Großbritannien lässt sich leicht vergessen, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist. Seit Ende Januar sind die wenigen noch geltenden Maßnahmen ausgelaufen. Positive Fälle im Umfeld eines Jeden sind Alltag, vor den Pubs herrscht wieder maskenloses Gedränge. Eine Überlastung der Intensivstationen ist nicht in Sicht. Damit begründen die meisten Länder ihre Lockerungen, doch nicht alle öffnen alles auf einmal. Österreich, mit einer ähnlichen Zweitimpfquote wie Deutschland, geht stufenweise vor. Erlaubt werden zunächst wieder große Veranstaltungen, ab Samstag fällt die 2G-Regel in Handel und Museen. Sogar Ungeimpfte dürfen mit einem Negativtest bald wieder am öffentlichen Leben teilnehmen. In Spanien muss ab heute (10.02.2022) keine Maske mehr im Freien getragen werden. Viele Beschränkungen werden nach und nach aufgehoben. „Spanien ist über den Berg“, frohlockte Gesundheitsministerin Carolina Darias, und die Zahlen geben ihr Recht: Nach einem Höchststand der Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 2100 Mitte Januar ist sie inzwischen auf 806 gefallen.
Auch Frankreich scheint den Höhepunkt der Omikron-Welle überwunden zu haben. Das Land hat die explodierenden Inzidenzwerte von gut 3.700 inzwischen fast halbiert. Die Homeofficepflicht fällt, ebenso Masken im Freien, Mitte Februar dürfen Clubs wieder öffnen. Trotz hoher Fallzahlen und niedriger Impfquote will auch die Schweiz lockern. Am 16. Februar entscheidet sich, wie genau. Das Land war ohnehin im gesamten Pandemieverlauf zurückhaltend mit Einschränkungen. Auch die Niederlande wollen nächste Woche entscheiden, ob Gaststätten wieder länger öffnen und Theater und Sportarenen mehr Zuschauer empfangen dürfen. Die Regierung in Italien wagt zwar einige Lockerungen, bleibt aber vorsichtig: Der Notstand ist bis 31. März in Kraft. Seit Januar gilt eine Corona-Impfpflicht für über 50-Jährige. In Polen müssen Infizierte ab dem 15. Februar nur noch sieben statt zehn Tage in Isolation. Zudem werden die Einreisebestimmungen gelockert: Reisende aus dem Schengenraum, die nicht vollständig geimpft oder genesen sind, müssen künftig nicht mehr nach der Einreise in Quarantäne.
In der Türkei gibt es kaum Corona-Einschränkungen. Trotz Rekordwerten bei den Fallzahlen hat die Regierung die Maßnahmen seit massiven Lockerungen im Juli 2021 nicht nennenswert verschärft. Auch eine bis vor kurzem geltende Testpflicht für Ungeimpfte vor Theater- oder Konzertbesuchen setzte das Innenministerium aus. Zwar beharrt die Regierung auf einer Maskenpflicht, streng kontrolliert wird sie in Metropolen wie Istanbul aber nur selten.
Außerhalb Europas lohnt ein Blick nach Israel. Die Zahl der Corona-Schwerkranken ist auf dem höchsten Stand seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren. Die Zahl der Neuinfektionen geht derweil stetig zurück. Die 7-Tages-Inzidenz hat sich innerhalb von zwei Wochen halbiert. Experten gehen davon aus, dass die Omikron-Welle allmählich bricht. Die Corona-Regeln in Israel werden weiter gelockert. Die Pflicht für den sogenannten „Grünen Pass“ ist weitgehend entfallen.
Quellen: Red. / dpa / reuters / afp / ap / epd / kna / RKI
Das deutsche Olympia-Team hat die Quarantänebedingungen in Peking für positiv getestete Sportler scharf kritisiert. Das Zimmer, in dem der Nordische Kombinierer Erik Frenzel seit seiner Ankunft isoliert wurde, sei „inakzeptabel“, sagte Teamchef Dirk Schimmelpfennig. Sauberkeit, die Qualität des Essens und die Internet-Anbindung seien problematisch. Der dreifache Goldmedaillengewinner Frenzel ist einer von über 350 Sportlern, Funktionären und Medienvertretern, die bei Anreise in Peking positiv getestet wurden. Trotz steigender Covid-Fallzahlen unter den angereisten Sportlern und Funktionären zeigen sich die Verantwortlichen der Olympischen Winterspiele in China gelassen. Die Lage sei unter Kontrolle und es gebe keinen Grund zur Sorge, erklärten die Veranstalter. Sportler, Begleiter und Journalisten dürfen sich bei den Spielen nur zwischen ihrer Unterkunft, dem Medienzentrum und den Sportstätten bewegen. Die Olympischen Winterspiele dauern bis zum 20. Februar. Während der Wettbewerbe in Peking sind in den Stadien nur ausgewählte Besucher zugelassen. Aus dem Ausland dürfen gar keine Zuschauer anreisen. Alle Teilnehmer – neben den fast 3.000 Sportlerinnen und Sportlern auch zehntausende Angestellte, Freiwillige und Journalisten – dürfen sich wegen der Corona-Restriktionen ausschließlich in einer „Olympia-Blase“ aufhalten, die von der Außenwelt abgeschirmt ist – ein „Fest der Völkerverständigung“ ohne persönliche Begegnungen.
Die 1,4 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohner sind zwar größtenteils geimpft, allerdings nur mit heimischen Vakzinen. Und die wirken offenbar noch weniger gut gegen das hochansteckende Omikron als die etwa in Deutschland verwendeten mRNA-Impfstoffe. Der Charité-Virologe Christian Drosten hat China kürzlich als seine derzeit „größte Sorge“ bezeichnet. Die Angst geht um, dass die Spiele zum Superspreader-Event werden könnten, das die hochansteckende Variante des Coronavirus in die Volksrepublik trägt. Die dortige Regierung fährt bekanntlich eine Null-Covid-Strategie: Schon bei kleinsten Ausbrüchen werden Mega-Städte wochenlang in den harten Lockdown geschickt, ganze Fabriken und Hafenanlagen geschlossen. Folgt auf Olympia eine Omikron-Welle, würde das auch Deutschland schwer treffen, warnen Experten. „Sollte sich die Omikron-Variante auch in China schneller und leichter übertragen, könnte das erneut zum Flaschenhals für globale Lieferketten werden und eine Rezession in bestimmten Branchen der deutschen Industrie anheizen“, warnt deshalb der Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). „Ein eskalierender Omikron-Ausbruch in China und die Eindämmungsversuche der chinesischen Regierung dürften negative Folgen für Europa haben“, sagt der Experte für internationale Konjunktur am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), Klaus-Jürgen Gern. „Dafür spricht auch, dass schon in jüngster Zeit die Menge an weltweiten Gütern, die auf Containerschiffen feststeckt, wieder zunahm.“ Dabei ist Deutschland auf einen reibungslosen Austausch angewiesen: Aus keinem anderen Land der Welt bezieht die Bundesrepublik so viele Waren wie aus China. Gleichzeitig ist das Reich der Mitte nach den USA der zweitwichtigste Absatzmarkt für Waren „Made in Germany“.
Quellen: Red. / dpa / reuters / afp / ap / epd / kna / RKI
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