Lobbyranking der Bundesländer:Wenig Fortschritte beim Schutz vor Lobbyismus
Die Antikorruptionsorganisation Transparency International hat untersucht, wie gut sich die Bundesländer vor dem Einfluss von Lobbyisten schützen. Thüringen liegt im Ranking vorne.
Transparency sieht immer noch zu lasche Regeln gegen Einfluss von Lobbyisten.
Quelle: ImagoDie Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland sieht bei Regelungen zur Offenlegung des Einflusses von Lobbyisten nur geringe Fortschritte in den meisten Bundesländern.
In dem aktuellen "Lobby-Ranking" der Organisation konnten sich zwar zwölf der 16 Bundesländer im Vergleich zur vorherigen Bewertung im Jahr 2022 leicht verbessern. Dennoch erreichen 13 Länder nicht einmal die Hälfte der möglichen Kriterien. Am besten schneidet weiterhin der Bund ab, unter den Ländern liegt Thüringen vorne.
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Transparency International bewertet für das Ranking die Politik der Länder und des Bundes nach vier Kriterien. Bereits 2022 lag Thüringen an der Spitze. Auf die Plätze zwei und drei kommen in der aktuellen Rangliste Bayern und Baden-Württemberg, auf den weiteren Plätzen folgen Schleswig-Holstein, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. Klares Schlusslicht ist Bremen.
Lobbyisten arbeiten im Schatten der Macht. Wie gehen sie dabei vor, und wie viel können sie bei Politikern erreichen? "Die Spur" will herausfinden: Wie funktioniert das System Lobbyismus?
24.07.2024 | 28:36 minKriterien für den Einfluss von Lobbyisten
Transparency bewertet unter anderem, ob ein Lobbyregister existiert, also eine Offenlegung, welche Gruppen oder Unternehmen Einfluss auf die Politik nehmen. Eine Rolle spielen zudem Transparenzpflichten sowie Karenzzeiten, ab denen ausgeschiedene Politiker in die Wirtschaft wechseln dürfen.
Ebenfalls mit eingerechnet wird mit Blick auf die Transparenz der sogenannte legislative Fußabdruck, der alle Lobbykontakte eines Abgeordneten während einer Gesetzesfindung umfasst.
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Besser als alle Bundesländer schneidet in der aktuellen Rangliste der Bund ab: Dieser wird laut Transparency "dank mittlerweile insgesamt recht guter Lobby- und Transparenzregeln" mit 71 Prozent bewertet. Thüringen als Spitzenreiter bei den Bundesländern kommt auf 69 Prozent. Schlusslicht Bremen erreicht lediglich neun Prozent.
Unter einem Lobbyregister versteht man eine öffentliche Liste von allen Lobbyisten, welche als Mitglied bestimmter Gruppen wie etwa Unternehmen oder in deren Auftrag auf den politischen Prozess in schriftlicher oder sonstiger Weise Einfluss nehmen wollen.
Manchmal auch exekutiver Fußabdruck genannt. Inhaltliche und chronologische Aufzeichnung der Entstehung einer Gesetzesvorlage sowie Nennung der an der Entstehung Beteiligten und ihrer Beiträge. So soll transparent werden, welche Interessen sich möglicherweise in Gesetzesvorhaben widerspiegeln.
Eine "Wartezeit, Sperrfrist, vor deren Ablauf eine bestimmte Erlaubnis nicht erteilt wird". In der Politik bedeutet eine Karenzzeit, dass aus ihrem Amt ausgeschiedene Regierungsmitglieder und SpitzenbeamtInnen bis zu einem Wechsel in die Privatwirtschaft eine bestimmte Zeit warten müssen.
Verhaltensregeln listen eine Reihe von Anzeigepflichten und Verbotstatbeständen auf und enthalten meist auch Sanktionen. Sie stehen in einem Spannungsfeld zum Grundsatz der freien Mandatsausübung und dienen der Sicherung der Integrität des Handelns der Volksvertreter.
Quelle: Transparency International
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