Fehlende "PrEP":Bund ruft Engpass bei HIV-Medikament aus
In Deutschland ist ein wichtiges HIV-Medikament knapp. Gesundheitsminister Lauterbach ruft jetzt offiziell den Engpass aus. Betroffene sprechen von einer problematischen Situation.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat nach Informationen von ZDFheute offiziell den Engpass bei einem wichtigen HIV-Medikament ausgerufen. Das ist das Ergebnis eines Runden Tisches, zu dem Lauterbach am Donnerstag geladen hatte.
Die sogenannte PrEP, mit der sich HIV-negative Menschen vor einer HIV-Infektion schützen, ist in Deutschland seit Wochen nicht oder kaum lieferbar. In einer Bekanntmachung des Gesundheitsministeriums heißt es nun, das Medikament werde eingesetzt "zur Vorbeugung oder Behandlung einer lebensbedrohlichen Erkrankung". Und weiter:
Eine alternative gleichwertige Arzneimitteltherapie steht nicht zur Verfügung.
Bekanntmachung des Gesundheitsministeriums
PrEP ist die Abkürzung für Prä-Expositions-Prophylaxe, auf Deutsch: Vorsorge vor einem möglichen HIV-Kontakt. Bei dieser Schutzmethode nehmen HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen.
Die PrEP schützt so gut wie Kondome oder Schutz durch Therapie vor HIV, wenn sie richtig angewendet wird.
Quelle: Deutsche Aidshilfe
Aidshilfe spricht von wichtigem Schritt
Nach der Ausrufung eines Versorgungsengpasses sind jetzt unter anderem Importe der PrEP aus dem Ausland möglich. Apotheker berichten, dass sie unter anderem PrEP aus den Niederlanden einführen wollen. Allerdings ist das Medikament auch in anderen Ländern knapp.
Die Deutsche Aidshilfe begrüßt die Ausrufung des Engpasses. "Das macht erst einmal öffentlich deutlich, dass es ein großes Problem gibt", sagt Holger Wicht ZDFheute.
Das heißt auch, dass man jetzt alles dafür tun muss, dass dieses Medikament wieder verfügbar ist und dass so etwas in Zukunft nicht wieder passieren kann.
Holger Wicht, Deutsche Aidshilfe
Trotz jahrelanger Aufklärung wissen immer noch zu viele Menschen zu wenig über HIV. Bis heute erleben Betroffene Ausgrenzung und Diskriminierung - und das in allen Lebensbereichen.
01.12.2022Betroffene befürchten verminderten Schutz
Betroffene beklagen seit Wochen, dass sie kaum noch Nachschub bekommen. Jörn Valldorf, der die PrEP seit mehreren Jahren nimmt, hat nur noch wenige Tabletten. Damit sein Vorrat länger hält, nimmt er die Tabletten nach Rücksprache mit seinem Arzt nicht mehr täglich ein.
Ich bin in der Generation groß geworden, wo eine HIV-Infektion dramatische Folgen hatte und die alte Angst vor HIV kommt wieder. Das ist ein ganz beschissenes Gefühl.
Jörn Valldorf, PrEP-User
Ärzte in HIV-Schwerpunktpraxen empfehlen PrEP-Nutzern, anstatt der Tabletten vermehrt Kondome zu verwenden. Valldorf sagt, das sei für ihn nicht möglich.
Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sind in Deutschland derzeit knapp 500 Medikamente knapp. Dazu zählen unter anderem auch Antidepressiva und Antibiotika. Beobachter gehen davon aus, dass der Engpass bei der PrEP noch mindestens bis März dieses Jahres anhalten wird.
In den 1980er-Jahren war die Sorge vor der Ansteckung mit HIV groß. Noch immer infizieren sich in Deutschland rund 1.800 Menschen pro Jahr.
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