Bekannt aus ZDF-Filmen:Schauspieler Michael Mendl mit 82 Jahren gestorben
Er wirkte in mehr als 200 Film- und Fernsehproduktionen mit. Nun ist Michael Mendl im Alter von 82 Jahren, wie seine Agentin mitteilte, "friedlich eingeschlafen".
Michael Mendl
Quelle: ImagoDer Schauspieler Michael Mendl ist tot. Er starb im Alter von 82 Jahren, wie seine Agentin der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Er sei "friedlich eingeschlafen". Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.
An sein Gesicht erinnert man sich von vielen Abenden auf dem Sofa. Michael Mendl war mit seinen typischen Stirnfalten oft im Fernsehen zu sehen.
Rollen von Willy Brandt bis Papst Johannes Paul
Seine Rollen klingen ein wenig wie eine Reise durchs Geschichtsbuch. Für seine Rolle als ehemaliger Kanzler Willy Brandt im Film "Im Schatten der Macht" gewann er eine Goldene Kamera. Er wurde als General im Weltkriegsdrama "Der Untergang" in Hitlers Bunker zitiert. Im Dokudrama "Karol Wojtyla" spielte er Papst Johannes Paul II. und im Drama "Die Gustloff" einen Kapitän. Auch in Kinofilmen wie "Barfuss", in TV-Filmen von ARD und ZDF und in der Netflix-Serie "Dark" war er zu sehen.
Seit ihrem gemeinsamen Film "Bismarck" verband Michael Mendl und Torsten Münchow eine tiefe Freundschaft.
23.10.2025 | 6:59 minWenn man ihn an seinem Berliner Küchentisch besuchte, steckte er sich eine Zigarette an und hatte viele Geschichten zu erzählen. Dass nicht jeder sofort seinen Namen im Kopf hatte, schien er ziemlich gelassen zu nehmen. "Viele kennen das Gesicht", sagte er der dpa 2019, "aber sie kennen den Namen meistens nicht".
Mendl: Oft erkannt und doch verkannt
Als er noch in München gewohnt und in Arbeitskleidung mal Gartenabfälle weggebracht habe, habe ihn eine Frau angesprochen. "Wir kennen Sie", habe die Frau gesagt. Und dann habe er geantwortet: "Jaja, ich weiß. Aus Ihrem Wohnzimmer oder Schlafzimmer. Ich weiß ja nicht, wo Sie Ihren Fernseher stehen haben."
Die Frau habe nur "Wohnzimmer" gehört und zu ihrem Mann gesagt: "Ach, das ist ja der Mann, der unser Wohnzimmer geweißelt hat." Das habe er dann stehen lassen, sagte Mendl damals. "Das ist doch süß."
Nach einem Vierteljahrhundert Theater zum Film
Geboren wurde er 1944 im westfälischen Lünen als uneheliches Kind eines katholischen Priesters. Anfangs sei Mendl von einer Tante zur nächsten gekommen. Heimat sei für ihn der Bahndamm gewesen. Da habe er sein Ohr drangelegt. Die Stahlseile, mit denen die Signale gezogen worden seien, hätten für ihn Musik gemacht. "Das liebte ich."
Später studierte Mendl kurz in Wien, ging an die Folkwangschule in Essen und stand ein Vierteljahrhundert auf Theaterbühnen. Erst mit 49 Jahren kam er zum Film. Da habe er wahnsinnig Glück gehabt, sagte er mal.
"Charakterheld" mit Engagement für die Umwelt
In Fernsehfilmen spielte er durchaus auch den TV-Charmeur. Aber Mendl fand, er sei kein strahlender Liebhaberheld. "Sondern ich bin ein Charakterheld. Ich spiele die schweren, auch die bösen Rollen."
Er sprach offen darüber, dass zuletzt nicht mehr so viele Rollenangebote kamen. Das mache ihn "ein bisschen traurig", sagte er damals im Jahr 2019. Mendl stand in Berlin öfter auf Gästelisten von Premieren und Galas. Er engagierte sich für die Rettung des Regenwalds und für einen Verein gegen die Kinderkrankheit Noma.
Wenn man ihm gegenübersaß, verfiel er im Gespräch auch mal ins Jemand-Anderes-Sein. Er lachte, wurde laut, schwäbelte.
Schauspielerei mit Tiefe und genügend Distanz
Eine besondere Vorliebe hatte er für das Arbeiten mit Holz. Und die Schauspielerei war aus seiner Sicht ein ganz eigenes Handwerk: Er bezeichnete sie als einen gefährlichen Beruf, bei dem man sich gut kennen müsse. "Wir haben nicht Hammer und Säge, um etwas zusammenzubauen. Sondern wir haben nur uns selbst."
Wenn man etwas authentisch darstellen wolle, dann müsse man tief in die Rolle hinein. Man müsse immer in dem Wissen sein, dass man eine Rolle abrufen, aber auch jederzeit abstellen könne. "Ich habe da Gott sei Dank eine goldene Schere im Kopf", sagte Mendl damals. Mit dieser Vorstellung könne er sich von der Rolle lösen. Das sei auch am Theater so gewesen. "Ich war in der Rolle, aber am Ende habe ich mich privat verbeugt."