Prozess am Landgericht Rostock:Mordfall Fabian: Suche nach Gerechtigkeit
von Anja Kapinos
Der achtjährige Fabian aus Güstrow wurde gewaltsam getötet. Die Freundin seines Vaters soll ihn heimtückisch ermordet haben. Ein aufwendiger Indizienprozess - samt Wendungen.
Im Fall des getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow ist ein Bericht der Spurensicherung vorgestellt worden. Dieser enthält neue Indizien.
03.06.2026 | 3:32 minDer achte Prozesstag beginnt in Saal 2002 mit einer Warnung des Vorsitzenden Richters. Es würden Fotos gezeigt, die nur schwer zu ertragen sein könnten. Gemeint sind Aufnahmen der verkohlten Kinderleiche am Fundort im Bericht der Spurensicherung und bei einem 3D-Tatortmodell. Die Prozessbeteiligten arbeiten sich sachlich durch die Bilder. Doch mit jedem Detail senkt sich eine unsichtbare Schwere über den Saal. Die 30-jährige Angeklagte schaut zu Boden. Das Gericht hat für Bildaufnahmen strenge Auflagen verhängt und Sicherheitskontrollen angeordnet.
Es werden Fußspuren beleuchtet, nahe der an einem Tümpel aufgefundenen Leiche. Die Fußspuren bei der Leiche könnten von Schuhen der Angeklagten stammen, zumindest besitzt sie Schuhe, die zu den Spuren passen. Auch Spuren eines zweiten Paars Schuhe konnten ihr zugeordnet werden - sie könnte also mindestens zweimal am Fundort gewesen sein. Auch Faserspuren hatten eine mögliche Verbindung zur Angeklagten ergeben.
Anwältin von Fabians Mutter sieht belastbarere Indizien
Das sei eine Wendung im Prozess, was die Belastbarkeit der Indizien angeht, sagt Christine Habetha, die Fabians Mutter als Nebenklägerin vertritt. Bei dem spärlichen Spurenaufkommen einer verbrannten Leiche sei es gelungen, aus dem Kinder-Nagel eine Faserspur zu extrahieren.
Im Fall des ermordeten achtjährigen Fabian aus Güstrow gab es eine Wende: jetzt wird gegen den Vater des Jungen ermittelt. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn der Falschaussage.
13.05.2026 | 1:42 minDiese konnte eindeutig einem Kleiderstück zugeordnet werden, das der Angeklagten gehört und das sie auch getragen habe. Das Gleiche gelte für einen nicht verbrannten Teil des Bündchens am Ärmel des Kindes. Eine weitere Spur, die eindeutig identifiziert werden konnte, gehöre zu einer Hose, die die Angeklagte am Tattag getragen habe.
Fabians Vater und die Angeklagte sind wieder ein Paar
Fabians Mutter Dorina L. kommt an Prozesstagen mit Details zur Leiche nicht zur Verhandlung. Sie sitzt im Prozess jedoch, soweit es ihre Kraft erlaubt.
Das ist immer der Gedanke, dass ich das für Fabi durchstehen möchte. Dass auch geklärt werden soll, was passiert ist, und dann die Höchststrafe fällt dafür.
Dorina L., Mutter des getöteten Fabian
Fabians Vater war mit der Angeklagten liiert, hatte sich zunächst von der Angeklagten getrennt. Ihn samt seiner finanziellen Unterstützung zurückzugewinnen sei laut Anklage ein mögliches Motiv für die Tat. Besonders hart für Dorina L.: Fabians Vater ist mit der Angeklagten nun wieder zusammen.
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Fabians Vater
Seine Angaben im Prozess wichen ab von Sprachnachrichten zur Trennung und kurz nach Fabians Tod, erläutert Gerichtssprecherin Anne Kruse.
Die Staatsanwaltschaft hat offenbar Widersprüche festgestellt, die man nicht mit möglichen Erinnerungsverlusten in Einklang bringen kann.
Anne Kruse, Gerichtssprecherin
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Vater wegen des Verdachts der Falschaussage. Auf den Prozess habe das aber keinen Einfluss, so Anne Kruse. Die Kammer müsse sowieso bei jeder Zeugenaussage würdigen, ob sie glaubhaft sei.
Hat sich Fabians Vater im Mordprozess um den getöteten Achtjährigen der Falschaussage schuldig gemacht? Die Staatsanwaltschaft wirft ihm das vor - und hat Ermittlungen eingeleitet.
13.05.2026 | 1:42 minDie Tatwaffe ist noch nicht gefunden worden
Demnächst werden mehrere Zeugen vernommen, die mit der Angeklagten am Tatort gewesen sein sollen. Da etwa die Tatwaffe bislang nicht gefunden wurde, sollen diese Befragungen für die Staatsanwaltschaft das Puzzle an belastenden Spuren ergänzen.
Die Verteidigung sieht das anders. Die Angeklagte habe gegenüber Polizeibeamten zwar eingeräumt, am Tatort gewesen zu sein. Sie will Fabian gefunden haben. Nach Einschätzung von Verteidiger Andreas Ohm seien die Fuß-Spuren lückenhaft. Einige könnten nicht zugeordnet werden. Diese seien auch in unmittelbarer Nähe zum Leichnam vorgefunden worden. Das darf man nicht vergessen, so Ohm.
Angeklagte will vielleicht noch aussagen
Bislang äußert sich die Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. Für einen späteren Zeitpunkt will ihr Verteidiger Andreas Ohm das jedoch nicht ausschließen.
Aus meiner Sicht hat die Staatsanwaltschaft sich relativ schnell auf die Angeklagte als einzig in Betracht kommende Täterin festgelegt und Alternativgeschehen ausgeblendet. Wir müssen daher nun das nehmen, was wir an Ansatzpunkten haben, um ein Alternativgeschehen plausibel klingen zu lassen.
Andreas Ohm, Verteidiger
Ob das Gericht eine plausible Alternative zur möglichen Täterschaft der Angeklagten feststellt, das wird sich über den Sommer im Saal 2002 zeigen. Bis in den September wird verhandelt.
Anja Kapinos ist Reporterin im ZDF-Studio in Schwerin.
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