Echtfell oder Kunstpelz?
|
Egal ob an Jacken, Mützen oder Handschuhen: Kleidungsstücke mit Fellbesatz sind voll im Trend. Viele Verbraucher denken, dass es sich dabei um Kunstfell handelt. Doch oft stimmt das nicht – selbst wenn der Fellbesatz als Kunstfell deklariert wurde.
Viel zu oft werden in der Textilindustrie echte Felle verwendet, zum Beispiel für Applikationen an Kapuzen oder Mützen. Laut EU-Verordnung müssen echte Felle gekennzeichnet werden. Dies geschieht aber oft nicht. Teilweise wird die Kennzeichnungspflicht einfach ignoriert, teilweise wird echtes Fell als Kunstfell „umetikettiert“, um der Abneigung vieler Verbraucher gegen Echtpelz entgegenzuwirken.
Hintergrund ist, dass echtes Fell häufig billiger ist als Kunstfell, das in einem aufwendigen Verfahren produziert werden muss. Das Echtfell stammt meist aus Ländern, in denen es geringe Umweltauflagen, mangelhafte Haltungsbedingungen und billige Arbeitskräfte gibt. Ein Großteil der Pelztiere wird in China gezüchtet: In engen Käfigen werden Marderhunde für die Textilindustrie gehalten und meist qualvoll getötet.
Lasche Kontrollen
Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund erklärt, wie es möglich ist, dass in Deutschland mit falsch deklarierten echten Pelzen gehandelt wird: „Strikte und effektive Kontrollen gibt es bisher nur stichprobenweise in geringer Zahl“, erklärt er. Zudem sei die EU-Verordnung zur Textilkennzeichnung in Deutschland erst seit Mitte Februar 2016 in Kraft – und sie enthalte keinerlei Bußgeldvorschriften. „Viele Produkte, die Echtfell enthalten, müssen ohnehin nicht gekennzeichnet werden. Die bestehenden Regelungen und ihre Umsetzung reichen keinesfalls aus“, resümiert er.
Laut Verordnung müssen in bestimmten Fällen tierische Bestandteile in Kleidungsstücken gekennzeichnet werden. Dies gilt zum Beispiel für Kleidungsstücke, deren Textilanteil mindestens 80 Prozent ausmacht. „Wenn eine Jacke eine Fellkapuze hat, muss laut Vorgabe auf dem Etikett nur der Zusatz ‚Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs‘ stehen“, erklärt der Tierschützer. Damit könnten auch Knöpfe aus Horn oder Daunen gemeint sein. „Das ist für den Verbraucher völlig undurchsichtig“, ergänzt er. Bestehe ein Produkt wie etwa Pelzmäntel oder Lederhandschuhe mit Fellbesatz zu mehr als 20 Prozent aus tierischem Material, entfalle die Kennzeichnungspflicht. Dies sei grundsätzlich auch bei Schuhen und Accessoires der Fall.
An den Händler wenden
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbund hat die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ eine Untersuchung veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die Hälfte der Kleidungsstücke mit Echtpelz bei einer Stichprobe nicht entsprechend der EU-Verordnung gekennzeichnet war. Vor allem günstige Kleidungsstücke waren falsch oder gar nicht gekennzeichnet. Kein einziges Kleidungsstück, das bei einem Straßenhändler gekauft wurde, war richtig gekennzeichnet. „Die hochpreisigen Stücke tragen zwar eher einen entsprechenden Hinweis, jedoch ist hier oft nicht die richtige Tierart angegeben“, führt Marius Tünte aus. So entpuppe sich das auf dem Etikett angegebene Waschbärfell bei Analysen oft als Marderhund.
„Nicht nur der Hersteller trägt die Verantwortung für die richtige Kennzeichnung, sondern auch der Händler, der die Ware anbietet. Man kann sich also direkt beim Händler beschweren und eine Klarstellung einfordern, wenn ein Produkt falsch gekennzeichnet war“, rät Marius Tünte. Er empfiehlt zudem, den Händler schriftlich zu informieren und sich an die obersten Landesbehörden für die Marktüberwachung zu wenden, damit diese den Verstoß ahnden können. Auch Tierschutzorganisationen seien für Hinweise dankbar. Da es für Laien aber kaum zu erkennen ist, ob das Fell nun echt oder künstlich ist, rät er, auf den Kauf von Produkten mit Fell ganz zu verzichten.
So können Sie Echt- von Kunstpelz unterscheiden
Schauen Sie das Fell genau an; echtes Fell hat meist einen stärkeren Glanz als Kunstfell.
Echte Haare bewegen sich leichter im Luftstrahl, künstliche Haare sind starrer.
Bei einem Webpelz sieht man gewobenes Textilgewebe, bei einem Echtpelz das Leder. Allerdings gibt das keine absolute Sicherheit, denn echte Haare werden manchmal auch mit Kunstfell vermischt und auf einen textilen Untergrund gewebt.
Ist das Kleidungsstück schon gekauft, kann man ein paar Haare abschneiden und anzünden. Kunsthaar verhält sich wie Plastik und bildet beim Schmelzen kleine Klümpchen. Echthaar riecht beim Verbrennen nach Horn.
Weitere Themen
Gesellschaft | Volle Kanne :Kostenfallen rund um die Pflegeversicherung
Video0:50
Gesellschaft | Volle Kanne :Erdnuss-Curry mit Hähnchen
Video5:44
Gesellschaft | Volle Kanne :Kübelpflanzen: Tipps für Standort und Pflege
Video7:40
Gesellschaft | Volle Kanne :Steuersoftware im Test bei Stiftung Warentest
Video0:53
Gesellschaft | Volle Kanne :Nachhaltige Geldanlage mit ETFs
Video5:55
Gesellschaft | Volle Kanne :Wie man nachhaltige ETFs erkennt
Video1:44
Gesellschaft | Volle Kanne :Behandlungsmöglichkeiten bei Knie-Arthrose
Video6:44
Gesellschaft | Volle Kanne :Eigenknorpel-Therapie bei Knie-Arthrose
Video2:08
Gesellschaft | Volle Kanne :Italienisches Kalbsschnitzel mit Polenta
Video5:30
Gesellschaft | Volle Kanne :Erst kaufen, dann zahlen: Wo die Risiken sind
Video4:26
Gesellschaft | Volle Kanne :Meningitis: Früh erkennen, richtig handeln
Video4:47
Gesellschaft | Volle Kanne :Spargel in Bärlauch-Pankokruste
Video12:19
Gesellschaft | Volle Kanne :„Buy now, pay later“: Was sich jetzt ändert
Video1:55
Gesellschaft | Volle Kanne :Zunehmende Impfskepsis in Deutschland
Video3:03
Gesellschaft | Volle Kanne :Richtig Sport treiben während Schwangerschaft
Video4:40
Gesellschaft | Volle Kanne :Leder pflegen: Reinigung, Schutz, Reperatur
Video5:20
Gesellschaft | Volle Kanne :Kenia: Ohne Periodenprodukte kein Schulbesuch
Video4:18
Gesellschaft | Volle Kanne :Erdbeer-Spargelsalat im Parmesankörbchen
Video7:53
Gesellschaft | Volle Kanne :Wandel im Impfverhalten in Deutschland
Video5:57
Gesellschaft | Volle Kanne :Wie gerecht ist die Energiewende?
Video3:31
Gesellschaft | Volle Kanne :Olympia in NRW: Meinungen sind verschieden
Video3:32
Gesellschaft | Volle Kanne :Energiegerechtigkeit: Wer zahlt?
Video5:55
Gesellschaft | Volle Kanne :Calisthenics für Anfänger
Video6:21
Gesellschaft | Volle Kanne :Krampfadern: Wie lassen sie sich vermeiden?
Video5:05
Gesellschaft | Volle Kanne :Rhabarber-Galette
Video9:29