Herbstgutachten:Institute verdoppeln Prognose für Wirtschaftswachstum
Die Wirtschaft wächst deutlich stärker als zunächst angenommen: Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten 2026 ein Wachstum von 1,3 Prozent.
Die deutsche Wirtschaft wächst deutlich stärker als zunächst erwartet. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für 2026 mit einem Plus von 1,3 Prozent.
24.09.2026 | 2:29 minDie deutsche Wirtschaft wächst nach Ansicht der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute besser als noch im Frühjahr angenommen. Sie hoben in ihrer Herbstprognose die Wachstumsvorhersage für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr auf 1,3 Prozent und auf 1,1 Prozent für 2027 an.
Im April hatten sie noch Werte von 0,6 Prozent für das laufende Jahr und 0,9 Prozent für 2027 angenommen.
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"Die Wirtschaft hat sich robuster entwickelt als erwartet", sagte der Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller und warnte:
Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten.
Oliver Holtemöller, IWH
"Energiepreisschock" geringer als befürchtet
Die Folgen des Iran-Kriegs und die stark gestiegenen Energiepreise hatten die Konjunktur zunächst deutlich gedämpft. In der Frühjahrsprognose hatten die Wirtschaftsinstitute noch vor einem "Energiepreisschock" gewarnt. Dieser fiel jedoch geringer aus als zunächst befürchtet.
Die Erholung werde zudem von einer Belebung der Exporte sowie der expansiven Finanzpolitik der Bundesregierung mit den schuldenfinanzierten Töpfen für Infrastruktur und Verteidigung getragen, erklärten die Forscher. Ein andauernder Boom rund um Künstliche Intelligenz konnte demnach zusätzliche Impulse bringen.
Die deutsche Wirtschaft wächst stärker als erwartet. Laut Herbstprognose rechnen die Institute für 2026 mit einem Plus von 1,3 Prozent. ZDF-Wirtschaftsexperte Neuhann ordnet ein.
24.09.2026 | 2:11 minWirtschaftsforscher warnen vor strukturellen Problemen
Die Institute erwarten, dass die deutsche Wirtschaft auch im kommenden Jahr etwas an Dynamik gewinnt. Der private Konsum dürfte anziehen, genauso wie der Wohnungsbau. Für 2027 rechnen sie deshalb mit einem BIP-Wachstum von 1,1 Prozent.
Der Aufschwung dürfe allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft fortbestehen. Die Kapazitäten der Unternehmen könnten zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Nach Einschätzung der Institute bleibt die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren leistungsschwach. Für 2028 prognostizieren die Experten ein Wachstum von 0,4 Prozent.
Beteiligt sind folgende Institute, die teilweise noch mit internationalen Partnern zusammenarbeiten:
- Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
- ifo Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München
- Kiel Institut für Weltwirtschaft
- Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Halle (IWH)
- Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Essen (RWI).
Die Institute analysieren die wirtschaftliche Lage und schätzen unter anderem, wie stark die Wirtschaftsleistung wachsen oder schrumpfen dürfte. Ihre Prognose ist eine wichtige Orientierung für die Bundesregierung und die Steuerschätzung. Sie ist jedoch keine sichere Vorhersage: Unerwartete Entwicklungen können die wirtschaftlichen Aussichten verändern.
Auch BDI und OECD sehen mehr Wachstum
Auch andere Konjunkturexperten hatten ihre Erwartungen zuletzt nach oben korrigiert. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum von 1,1 Prozent in Deutschland.
Ihre aktuelle Prognose liegt damit 0,4 Prozentpunkte über der Schätzung vom Juni. Für 2027 erwartet die OECD ebenfalls ein Plus von 1,1 Prozent. Wegen des Konflikts im Nahen Osten sei der Ausblick allerdings mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.
KI verändert Gesellschaft und Arbeitswelt. Deutsche Unternehmen hoffen, dass sie zum Wachstumstreiber wird, denn es braucht leistungsfähige und energieeffiziente Technologien „made in Germany“.
11.08.2026 | 1:58 minDer Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum von einem Prozent. Zuvor hatte er 0,6 Prozent erwartet. Rückenwind komme vor allem vom Geschäft mit europäischen Partnern sowie von den staatlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. Die privaten Investitionen blieben dagegen schwach.
Ifo-Geschäftsklima auf höchstem Stand seit über drei Jahren
Zu den optimistischeren Ausblicken passt, dass sich die Stimmung in der deutschan Wirtschaft im September weiter verbessert hat - den fünften Monat in Folge. Das Ifo-Geschäftsklima stieg um 1,1 Punkte auf 89,9 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut an diesem Donnerstag mitteilte.
Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer erreicht damit den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren.
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