Sachsen-Anhalt wählt neuen Landtag:Wer steht wofür? 15 Parteien, eine Machtfrage
von Michael Kniess
Die AfD liegt vorn, die CDU steht unter Druck: Sachsen-Anhalt wählt am 6. September einen neuen Landtag. Wer steht wofür? Alle 15 Parteien und ihre Ziele im Überblick.
Knapp zehn Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bleibt die AfD klar stärkste Partei, so die neusten Zahlen des ZDF-Politbarometers.
28.08.2026 | 1:21 minKnapp eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht vor allem die Machtfrage im Mittelpunkt: Die AfD liegt im ZDF-Politbarometer Extra vor der CDU, während die übrigen Parteien um Einfluss auf die künftige Regierungsbildung kämpfen.
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Migration, Wirtschaft, Energie und innere Sicherheit prägen den Wahlkampf - ebenso die Frage, welche Mehrheiten ohne die AfD überhaupt möglich sind. Zur Wahl stehen 15 Parteien mit einer Landesliste.
Die AfD liegt in Umfragen vorn – sie will "Geschichte schreiben". Sänger Herbert Grönemeyer will mit einer Initiative gleichzeitig Menschen aus dem ganzen Land zusammen bringen.
28.08.2026 | 2:59 minParteien für die Wahl in Sachsen-Anhalt
Die CDU führte die Landesregierung von 1990 bis 1994 und erneut seit 2002 in unterschiedlichen Koalitionen an. Spitzenkandidat ist Sven Schulze, der seit 2021 CDU-Landesvorsitzender ist und am 28. Januar 2026 als Nachfolger von Reiner Haseloff zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Als langjährige Regierungspartei tritt die CDU mit einem konservativ-wirtschaftsorientierten Programm an. Im Zentrum stehen innere Sicherheit, Begrenzung irregulärer Migration, wirtschaftliches Wachstum und eine stärker berufsorientierte Bildungspolitik.
Bei der inneren Sicherheit setzt die CDU sowohl auf mehr Personal als auch auf zusätzliche technische Möglichkeiten für die Sicherheitsbehörden - darunter ein Ausbau der Landespolizei auf mehr als 8.000 Beschäftigte, Erweiterung von deren Befugnissen sowie Ausbau von KI-gestütztem Videoschutz.
Beim Thema Migration verbindet die CDU das Bekenntnis zum Schutz von Menschen mit Bleiberecht mit einem deutlich restriktiveren Kurs gegenüber irregulärer Migration. Ziel ist es, die irreguläre Migration auf Null zurückzuführen, konsequente Rückführung von Menschen ohne Bleiberecht und Beibehaltung der Bezahlkarte für Asylbewerber.
Die CDU setzt auf Wachstum und industrielle Ansiedlungen und will zugleich bestehende Unternehmen durch geringere regulatorische und finanzielle Belastungen stärken. Sachsen-Anhalt soll unter anderem zu einem führenden europäischen Standort für Chemie- und Pharmaindustrie ausgebaut werden. Mit der "Oberschule" will die CDU die beiden bisherigen Schulformen Sekundar- und Gemeinschaftsschulen bündeln und stärker auf berufliche Orientierung ausrichten.
Die AfD ist seit 2016 im Landtag von Sachsen-Anhalt vertreten und stellt derzeit die größte Oppositionsfraktion. Zur Landtagswahl 2026 tritt sie mit Ulrich Siegmund als Spitzenkandidaten an. Siegmund und die Partei streben ausdrücklich die Übernahme der Regierung und möglichst eine Alleinregierung an. Das Wahlprogramm bezeichnet die AfD entsprechend als "Regierungsprogramm".
In dessen Zentrum steht eine grundlegende Verschärfung der Migrationspolitik. Die Partei fordert eine "Abschiebe- und Remigrationsoffensive", mehr Abschiebehaftplätze und eine deutliche Begrenzung der Zuwanderung. Allerdings fällt ein Teil dieser Vorhaben in die Zuständigkeit des Bundes oder der Europäischen Union und könnte von einer Landesregierung nicht allein umgesetzt werden.
Weitere Schwerpunkte sind innere Sicherheit, Bildung, Familie und Energie. Die AfD will die Schulpflicht durch eine "Bildungspflicht" ersetzen und Schule stärker an Leistung, Disziplin, nationaler Identität und kulturellen Traditionen ausrichten. Familienpolitisch setzt sie auf ein traditionelles Familienleitbild und finanzielle Anreize wie ein "Kinderwillkommensgeld". Wirtschaftspolitisch fordert die AfD weniger Regulierung, niedrigere Abgaben und eine Halbierung der Grunderwerbsteuer. Energiepolitisch will die Partei den Kohleausstieg stoppen und neue Gaskraftwerke ermöglichen. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk möchte sie zu einem deutlich verkleinerten "Grundfunk" umbauen und den Rundfunkbeitrag abschaffen.
Der Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Politikwissenschaftlich wird die AfD überwiegend dem rechtspopulistischen bis rechtsextremen Spektrum zugeordnet. Innerhalb der Partei werden nationalkonservative bis völkisch-nationalistische Strömungen unterschieden. Die Partei selbst bezeichnet ihre Ausrichtung als konservativ und patriotisch.
Die Linke tritt in Sachsen-Anhalt mit einem stark sozialpolitisch ausgerichteten Programm an. Im Zentrum stehen höhere öffentliche Investitionen sowie der Ausbau von Bildung, Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung und Pflege. Kitas sollen beitragsfrei werden, Schulen eine verlässliche Ganztagsbetreuung gewährleisten und Schulsozialarbeit, politische Bildung sowie Maßnahmen gegen Rechtsextremismus ausgebaut werden. In der Gesundheits- und Pflegepolitik fordert die Partei eine wohnortnahe Versorgung, bessere Arbeitsbedingungen und eine stärkere Rolle öffentlicher Einrichtungen.
Auch bei Wohnen und kommunaler Infrastruktur setzt die Linke auf mehr staatliche Verantwortung. Sie will den öffentlich geförderten Wohnungsbau ausbauen, Kommunen finanziell stärken und ihnen mehr Mitsprache bei der Landesgesetzgebung geben. Ein landeseigener Zukunftsfonds soll Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur unterstützen und dazu beitragen, Industriearbeitsplätze zu sichern. Über den Bundesrat will sich die Partei für die Wiedereinführung der Vermögensteuer einsetzen. Zugleich positioniert sie sich gegen steigende Militärausgaben und für einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Spitzenkandidatin ist erneut die Fraktionsvorsitzende Eva von Angern. Im Wahlkampf präsentiert sich die Partei ausdrücklich als Gegenpol zur AfD. Seit 2002 befindet sich die Partei auf Landesebene in der Opposition.
Die SPD geht als langjährige Regierungspartei in die Landtagswahl 2026. Seit 2006 ist sie ununterbrochen an CDU-geführten Landesregierungen beteiligt. Mit Spitzenkandidat Armin Willingmann, derzeit Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt sowie erster stellvertretender Ministerpräsident, stellt sie die soziale Gestaltung des wirtschaftlichen Wandels in den Mittelpunkt. Sachsen-Anhalt soll ein starker Industriestandort bleiben, Investitionen und Innovationen sollen gefördert und Arbeitsplätze gesichert werden. Gleichzeitig setzt die SPD auf Tarifbindung und faire Löhne und hält am Tariftreue- und Vergabegesetz fest.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die öffentliche Daseinsvorsorge. Die SPD will die Gesundheitsversorgung insbesondere im ländlichen Raum sichern und Schulen personell stärken. Die Schulsozialarbeit soll dauerhaft aus Landesmitteln finanziert werden. Mittelfristig strebt die Partei bei den weiterführenden Schulen ein System aus Gymnasium und Gemeinschaftsschule an. Die Energiewende will sie fortführen, dabei aber bezahlbare Energie für Bevölkerung und Wirtschaft gewährleisten und Kommunen stärker an den Erträgen erneuerbarer Energien beteiligen. Bei Polizei und Justiz setzt die SPD auf bessere personelle Ausstattung, Aufstiegsmöglichkeiten und Digitalisierung.
Die FDP tritt 2026 als wirtschaftsliberale Regierungspartei an und stellt Wachstum, Bildung, Digitalisierung und Bürokratieabbau in den Mittelpunkt ihres Programms. Sie regiert gemeinsam mit CDU und SPD in der sogenannten Deutschland-Koalition. Unter Spitzenkandidatin Lydia Hüskens, Landesvorsitzende und Ministerin für Infrastruktur und Digitales, will sie Unternehmen durch schnellere Genehmigungen, weniger Berichtspflichten und stärker digitalisierte Verwaltungsverfahren entlasten. Vorschriften sollen häufiger befristet und überprüft werden. Sonderwirtschaftszonen, etwa am Chemiestandort Leuna, sollen zusätzliche Investitionen ermöglichen.
In der Bildung setzt die FDP auf digitale Kompetenzen, individuelle Förderung und Informatik-Profilklassen mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz. Pauschale Handy- oder Social-Media-Verbote an Schulen lehnt sie ab. Energiepolitisch fordert die Partei niedrigere Belastungen durch Netzentgelte und einen technologieoffenen Energiemix. Auch neue Kernenergietechnologien sollen geprüft werden. In der Migrationspolitik verbindet sie die gezielte Anwerbung von Fachkräften mit einer konsequenteren Durchsetzung von Abschiebungen. Im ländlichen Raum sollen Telemedizin und mobile Arztpraxen helfen, die medizinische Versorgung zu sichern.
Die Grünen treten 2026 mit dem Anspruch an, Klimaschutz, wirtschaftliche Modernisierung und sozialen Zusammenhalt miteinander zu verbinden. Ihr Wahlprogramm unter dem Motto "Nur mit Grün wird Zukunft draus" sieht ein klimaneutrales Sachsen-Anhalt bis 2035 vor. Ein verbindliches Klimaschutzgesetz soll dafür konkrete Minderungsziele festlegen. Zudem wollen die Grünen den Klimaschutz als Staatsziel in der Landesverfassung verankern. Wind- und Solarenergie sowie die Infrastruktur für grünen Wasserstoff sollen weiter ausgebaut werden. Gerade für die Chemieindustrie betrachtet die Partei erneuerbaren Wasserstoff als wichtigen Baustein für die künftige Wettbewerbsfähigkeit.
Weitere Schwerpunkte liegen auf Natur- und Wasserschutz, Bildung, Gesundheit und demokratischer Beteiligung. Kitas sollen personell besser ausgestattet, die Gesundheitsversorgung auch im ländlichen Raum gesichert und der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden. Gesellschaftspolitisch setzen die Grünen auf Gleichstellung, Antidiskriminierung und die Bekämpfung von Rechtsextremismus. Junge Menschen sollen mehr Mitsprache erhalten.
Spitzenkandidatin ist die Co-Landesvorsitzende und Landtagsabgeordnete Susan "Suse" Sziborra-Seidlitz. Von 2016 bis 2021 waren die Grünen als kleinster Partner an der ersten sogenannten Kenia-Koalition Deutschlands aus CDU, SPD und Grünen beteiligt. Seit 2021 befinden sie sich in Sachsen-Anhalt in der Opposition.
Die Freien Wähler treten in Sachsen-Anhalt seit 2011 bei Landtagswahlen an, haben den Einzug in den Landtag bislang aber verfehlt. 2026 treten sie mit einem kommunal geprägten und wertkonservativ-liberalen Programm an. Im Mittelpunkt stehen finanziell handlungsfähige Städte und Gemeinden sowie gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Wirtschaftspolitisch setzt die Partei auf die Förderung von Mittelstand und Handwerk sowie den Erhalt industrieller Arbeitsplätze. Verwaltung und Genehmigungsverfahren sollen vereinfacht und stärker digitalisiert werden; dabei soll auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen.
Sozialpolitisch wollen die Freien Wähler Familien durch kostenfreie Kitas und Horte entlasten. In der Gesundheitspolitik fordern sie eine flächendeckende Versorgung mit mehr Landärzten und den Erhalt gefährdeter Krankenhausstandorte, möglichst in kommunaler Trägerschaft. Sicherheitspolitisch setzt die Partei auf mehr Polizeipräsenz, einen gestärkten Verfassungsschutz und intelligente Videoüberwachung an besonders gefährdeten Orten. In der Migrationspolitik fordert sie unter anderem Sach- statt Geldleistungen für Asylsuchende. Zugleich will sie die direkte Demokratie durch Volks- und Bürgerentscheide ausbauen.
Spitzenkandidat auf Listenplatz eins ist der kommissarische Landesvorsitzende André Weber.
Die Basisdemokratische Partei Deutschland (dieBasis) trat 2021 erstmals zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an und kandidiert 2026 erneut. Die Partei stellt direkte Demokratie, Grund- und Freiheitsrechte sowie die Begrenzung politischer Macht in den Mittelpunkt. Die Landesliste wird von Ines Härtling angeführt.
Besonders weitreichend sind die institutionellen Reformvorschläge der Partei: Ministerpräsident und Landesverfassungsrichter sollen direkt gewählt werden, die Hürden für Volksentscheide sollen sinken und Bürger sollen beschlossene Gesetze durch ein Veto zur Volksabstimmung stellen können. Verfassungsänderungen sollen grundsätzlich der Zustimmung der Bevölkerung bedürfen.
Einen zweiten Schwerpunkt bildet die Friedenspolitik. Die Partei lehnt militärische Großstrukturen, eine gesellschaftliche Militarisierung und den Umbau ziviler Unternehmen zu Rüstungsbetrieben ab. Wirtschaftspolitisch setzt sie auf Mittelstand, Handwerk und Eigenverantwortung. Einen weiteren Ausbau der Windkraft sowie die Förderung von Elektromobilität und Ladeinfrastruktur lehnt sie ab. In der Migrationspolitik fordert dieBasis schnelle Asylverfahren und feste Obergrenzen. Gesundheitspolitisch setzt sie auf wohnortnahe Versorgung sowie den Erhalt homöopathischer und komplementärmedizinischer Angebote. Medienpolitisch fordert sie eine Neugestaltung oder Kündigung des Medienstaatsvertrags.
Die Tierschutzpartei wurde 1993 gegründet und hat ihre Wurzeln in der Tierrechtsbewegung. In Sachsen-Anhalt ist sie vor allem kommunalpolitisch verankert, unter anderem in Magdeburg und Naumburg. Bei der Landtagswahl 2021 kam sie auf 1,4 Prozent der Stimmen. Anfang 2026 benannte sie sich im Zuge eines geplanten Zusammenschlusses mit der Klimaliste Deutschland von "Partei Mensch Umwelt Tierschutz" in "Partei Mensch Klima Tierschutz" um.
Zur Landtagswahl 2026 tritt die Tierschutzpartei mit einem Programm an, das Tier-, Klima- und Naturschutz mit sozialpolitischen Forderungen verbindet. Im Zentrum stehen weitreichende Tierrechte: Die Partei will Tierversuche und Massentierhaltung verbieten, Tierschutzvereine stärker unterstützen, eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen einführen und die sogenannte "Hobbyjagd" abschaffen. Grundsätzlich sollen Tierrechte nach ihrem Willen auch im Grundgesetz verankert werden.
Klima- und verkehrspolitisch setzt die Partei auf energieeffiziente Gebäude, mehr Grünflächen, einen besser ausgebauten öffentlichen Nahverkehr und zusätzliche Radwege. Elektroautos sollen unter anderem durch kostenloses Parken gefördert werden. Sozialpolitisch fordert die Tierschutzpartei bessere Löhne und Arbeitsbedingungen in der Pflege und wendet sich gegen eine vorrangige Gewinnorientierung im Gesundheitswesen. Für Kitas sieht sie einkommensabhängige Gebühren vor. Bildung, Kultur und Freizeitangebote betrachtet sie als wichtige Faktoren für gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine nachhaltige Entwicklung.
Die Gartenpartei wurde 2013 in Magdeburg gegründet, ursprünglich als Reaktion auf geplante Bebauungen von Kleingartenanlagen. Politisch ist sie weiterhin vor allem in Magdeburg verankert. Bei den Landtagswahlen 2016 und 2021 blieb sie landesweit unter einem Prozent. Ihre Ausrichtung beschreibt die Partei selbst als "dunkelgrün" sowie "ökologisch, sozial und ökonomisch".
Die Gartenpartei tritt 2026 mit einem Programm an, das ihre kommunalpolitischen Wurzeln mit sozial-, bildungs- und sicherheitspolitischen Forderungen verbindet. Ihr Kernthema bleibt der Schutz von Kleingärten, Grünflächen und Parkanlagen. Darüber hinaus fordert sie eine stärkere Aufforstung im Harz und will öffentliche Gelder teilweise zugunsten von Renaturierungsmaßnahmen umschichten. Im Tierschutz setzt sie sich unter anderem für die Abschaffung der Hundesteuer, artgerechtere Nutztierhaltung und eine stärkere Unterstützung von Tierheimen ein.
Sozialpolitisch will die Gartenpartei alle Einkommensarten stärker in die Finanzierung der Sozialversicherungen einbeziehen. Im Bildungsbereich hält sie am gegliederten Schulsystem fest, fordert aber mehr Digitalisierung und eine bessere Qualifizierung von Seiteneinsteigern im Lehrerberuf. Im ländlichen Raum sollen Gemeinschaftspraxen und neue Versorgungskonzepte die medizinische Betreuung verbessern. Sicherheitspolitisch fordert die Partei mehr Polizeipersonal und sichtbare Streifendienste. Beim Asylrecht verbindet sie ein ausdrückliches Bekenntnis zum Grundrecht auf Asyl mit der Forderung nach effizienteren Verfahren, Integration und Rückkehrperspektiven.
Die "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative", kurz Die Partei, wurde 2004 von Redakteuren des Satiremagazins "Titanic" gegründet. Bundesvorsitzender ist seit der Gründung der frühere "Titanic"-Chefredakteur Martin Sonneborn. Der Landesverband Sachsen-Anhalt entstand Ende 2014. Die Partei versteht Politik vor allem als Gegenstand und Mittel der Satire. Sie persifliert sie Sprache, Rituale und Wahlversprechen anderer Parteien und verbindet dabei absurde Forderungen mit Anspielungen auf reale politische und gesellschaftliche Konflikte.
Ihr Grundsatzprogramm stellt "Freiheit, Gleichheit und Schwesterlichkeit" heraus und greift unter anderem soziale Gerechtigkeit, Gesundheit, Umwelt- und Tierschutz sowie direkte politische Beteiligung auf. Kennzeichnend bleibt jedoch, dass programmatische Aussagen regelmäßig satirisch überzeichnet werden und sich ernst gemeinte Forderungen und Provokation nicht immer eindeutig voneinander trennen lassen.
In Sachsen-Anhalt zeigte sich dieser Ansatz besonders deutlich im Wahlprogramm von 2016 mit dem Titel "95 Thesen - Für ein Sachsen-Anhalt in den Grenzen von 1953!". Darin forderte die Partei beispielsweise satirisch die Abschaffung der Schwerkraft und die Förderung von Störchen gegen den Bevölkerungsrückgang, griff mit der geforderten Umbenennung Dessau-Roßlaus in "Oury-Jalloh-Stadt Dessau" aber auch einen realen politischen Konflikt auf. Diese programmatischen Schwerpunkte gelten weiter, da noch nicht alle Forderungen von 2016 umgesetzt worden sind.
Die "Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz" (Tierschutzallianz) wurde 2013 in Magdeburg von ehemaligen Mitgliedern der Tierschutzpartei gegründet. Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) waren strategische Differenzen und eine aus Sicht der Gründer unzureichende Abgrenzung der Tierschutzpartei vom rechten Spektrum ausschlaggebend. Der Landesverband Sachsen-Anhalt besteht seit 2015. Bei der Landtagswahl 2016 erreichte die Partei 1,0 Prozent, 2021 0,5 Prozent.
2026 tritt die Tierschutzallianz mit einem Programm an, das weitreichende Forderungen zum Tier- und Naturschutz mit sozial- und demokratiepolitischen Positionen verbindet. Im Mittelpunkt stehen ein strengeres Tierschutzrecht und ein Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzorganisationen. Die Partei will die industrielle Massentierhaltung abschaffen, Tierversuche beenden und tierfreie Forschungsmethoden fördern.
Auch Jagd und tiergestützte Unterhaltung lehnt sie ab. Tierheime sollen stärker unterstützt und Katzen sowie exotische Tiere besser geschützt werden. In der Landwirtschaft setzt die Partei auf ökologischen Landbau, regionale Wertschöpfung und eine Abkehr von agrarindustriellen Großanlagen. Darüber hinaus fordert die Tierschutzallianz mehr direkte Demokratie und niedrigere Hürden für Bürgerbegehren und Volksentscheide. Die Sperrklausel bei Wahlen will sie von fünf auf drei Prozent senken und das Wahlalter auf 16 Jahre herabsetzen. Gesellschaftspolitisch betont sie Menschen- und Frauenrechte sowie den Schutz von Kindern vor Gewalt. In der Gesundheitspolitik fordert sie eine bessere Bekämpfung von Krankenhauskeimen, in der Verkehrspolitik einen Modellversuch für kostenlosen öffentlichen Nahverkehr.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) wurde Anfang 2024 gegründet. Im selben Jahr entstand der Landesverband Sachsen-Anhalt. Das BSW tritt 2026 erstmals zu einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an und verbindet einen wirtschafts- und sozialpolitisch starken Staat mit restriktiver Migrationspolitik und einer ausgeprägten Friedens- und Abrüstungspolitik. Es lehnt höhere Rüstungsausgaben und eine Rückkehr zur Wehrpflicht ab und fordert, öffentliche Mittel stattdessen stärker in Bildung, Infrastruktur und Daseinsvorsorge zu investieren.
Wirtschaftspolitisch setzt die Partei auf staatliche Investitionen, den Erhalt industrieller Arbeitsplätze und die Abschaffung der Schuldenbremse. Die Kommunen sollen vollständig entschuldet und zentrale Bereiche der Daseinsvorsorge wieder stärker in öffentliche Hand gebracht werden. Energiepolitisch fordert das BSW niedrigere Preise und einen technologieoffenen Energiemix. Erneuerbare Energien sollen weiter genutzt werden, nach Ansicht der Partei aber nicht allein die Versorgung tragen. Auch Braunkohle, Biogas und neue Reaktortechnologien spielen in ihrem Konzept eine Rolle. Energieimporte aus Russland schließt das BSW ausdrücklich nicht aus.
In der Sozialpolitik setzt es auf mehr sozialen Wohnungsbau und eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung. Migration will die Partei stärker begrenzen und steuern sowie Abschiebungen konsequenter durchsetzen. Zugleich fordert sie mehr direkte Demokratie und eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Einen besonderen Akzent setzt der Landesverband auf ostdeutsche Erfahrungen und eine kritische Aufarbeitung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung seit der Wiedervereinigung.
Die Partei des Fortschritts (PdF) wurde 2020 gegründet. Sie versteht sich als basisdemokratisch, proeuropäisch und wissenschaftsorientiert und lehnt für sich eine Einordnung in das klassische Links-Rechts-Schema ab. Politikwissenschaftlich wird sie als linksliberal charakterisiert. In Sachsen-Anhalt entstand die heutige Parteistruktur im September 2025 durch den Zusammenschluss mit den Freien Bürgern Mitteldeutschlands (FBM).
Die PdF tritt zur Landtagswahl 2026 mit einem basisdemokratischen, proeuropäischen und sozialliberal geprägten Profil an. Ein Schwerpunkt ihres Zehn-Punkte-Programms ist die stärkere Beteiligung der Bürger: Die PdF fordert verbindliche Volksentscheide, verpflichtende Bürgerdialoge, eine Absenkung der Fünf-Prozent-Hürde und eine Begrenzung der Amtszeiten hauptamtlicher Mandatsträger auf zwei Perioden. Kommunen sollen eine gesetzlich garantierte, ausreichende Finanzausstattung erhalten und mehr eigene Handlungsmöglichkeiten bekommen.
Im ländlichen Raum will die Partei medizinische Versorgung, einen verlässlichen öffentlichen Nahverkehr, schnelles Internet und Bildungsstandorte sichern. Sie fordert finanzielle Anreize für Landärzte, den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser sowie eine Unterrichtsgarantie. Familien sollen durch schrittweise gebührenfreie Kitas entlastet werden. Wirtschaftspolitisch setzt die PdF auf regionale Unternehmen, Mittelstand und Handwerk sowie eine Ansiedlungspolitik, bei der Fördermittel einen nachweisbaren Nutzen für die Region bringen sollen. In der Migrationspolitik fordert sie schnellere Asylverfahren, Integration durch Arbeit, Sprache und Bildung sowie die Rückführung von Menschen ohne Aufenthaltsrecht. Erneuerbare Energien will sie weiter ausbauen, ohne Bürger und Mittelstand einseitig finanziell zu belasten.
Volt tritt 2026 erstmals zu einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an. Die paneuropäische Partei verbindet eine progressive Gesellschaftspolitik mit Klimaschutz, Digitalisierung und einer stärkeren europäischen Zusammenarbeit. Bildungspolitisch fordert sie sechs Stunden kostenfreie Kita-Betreuung täglich ab dem ersten Lebensjahr und einen schrittweisen Übergang zu inklusiveren Schulen mit längerem gemeinsamem Lernen. Praxisnahe Kompetenzen und digitale Bildung sollen stärker im Unterricht verankert werden. Klima- und energiepolitisch setzt Volt auf ein verbindliches Klimaschutzgesetz, den Ausbau erneuerbarer Energien sowie den Schutz von Wäldern und Mooren. Bus und Bahn sollen insbesondere im ländlichen Raum ausgebaut und für Menschen mit niedrigem Einkommen günstiger werden. Schüler sollen den ÖPNV kostenlos nutzen können.
In der Wirtschaftspolitik verbindet die Partei Innovationsförderung und Bürokratieabbau mit sozialen Standards: Öffentliche Aufträge sollen nur an Unternehmen vergeben werden, die Tarif- und Mindestlohnvorgaben einhalten. Verwaltung und Justiz will Volt stärker digitalisieren und dabei auch Künstliche Intelligenz einsetzen. Das Wahlalter bei Landtagswahlen soll auf 16 Jahre sinken. Sicherheitspolitisch fordert die Partei mehr Polizeipersonal, einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur und einen stärkeren Katastrophenschutz. In der Migrationspolitik setzt Volt auf frühe Integration durch Sprache und Arbeit und lehnt die Bezahlkarte für Asylsuchende ab.
Mit Material von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)
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