Internationale Konferenz in Berlin:Rund 1,5 Milliarden Euro für Hilfe im Sudan
Der Bürgerkrieg im Sudan hat zu einer der schwersten humanitären Krisen weltweit geführt. Die Sudan-Konferenz in Berlin sagt Hilfen in Milliardenhöhe zu.
Drei Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs im Sudan spitzt sich die humanitäre Lage weiter zu. In Berlin wird ab heute auf einer Geberkonferenz über die finanzielle Unterstützung verhandelt.
15.04.2026 | 1:36 minDrei Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs im Sudan sind dem afrikanischen Land deutlich mehr finanzielle Hilfen zugesagt worden. Zum Ende einer Geberkonferenz in Berlin am Mittwochabend gab es Zusagen in Höhe von mehr als 1,5 Milliarden Euro, im vergangenen Jahr waren es insgesamt rund 800 Millionen Euro. Auch Deutschland erhöhte seinen Anteil für die humanitäre Hilfe deutlich von rund 157 Millionen Euro auf nun 212 Millionen Euro.
Wadephul: Außergewöhnliche Krise
Außenminister Johann Wadephul sprach von einer außergewöhnlichen Krise und betonte: "Hinter jeder Zahl steht ein Mensch." Sie alle hätten Namen und Pläne für ihre Zukunft gemacht, die nun zerstört seien. "Wir alle teilen die humanitäre Verantwortung", so Wadephul weiter.
Es gebe ein "sehr großes Finanzierungsloch" in der humanitären Hilfe für den Sudan, sagt Politikwissenschaftlerin Hager Ali. Die Versorgungsengpässe würden sich weiter vergrößern.
15.04.2026 | 4:36 minDrei Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs im Sudan beriet eine internationale Geberkonferenz in Berlin über weitere Hilfen für die notleidende Bevölkerung. An der Konferenz nehmen Regierungsvertreter, Hilfsorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen teil, die beiden Konfliktparteien aus dem Sudan waren nicht vertreten.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigt seine Unterstützung für einen Waffenstillstand im Sudan an. Seit drei Jahren herrscht dort Bürgerkrieg.
15.04.2026 | 0:26 minSudan: Bürgerkrieg seit drei Jahren
Im drittgrößten Land Afrikas liefern sich die Armee von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan und die RSF-Miliz seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo seit drei Jahren einen Machtkampf.
In dem Bürgerkrieg sind Zehntausende Menschen getötet worden, mehr als elf Millionen Menschen wurden vertrieben. Hunger wird dabei gezielt als Waffe eingesetzt.
"Im Sudan haben über 20 Millionen Menschen Probleme, genug Essen zu finden." Das Land stehe vor enormen humanitären Schwierigkeiten, sagt der Afrika-Experte Gerrit Kurtz.
15.04.2026 | 5:04 minMerz: Krise kaum im öffentlichen Fokus
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete die Lage in dem afrikanischen Land als "größte humanitäre Krise der Gegenwart". Diese Krise stehe aber "nicht sehr häufig im Blickwinkel unserer öffentlichen Wahrnehmung", sagte Merz am Dienstag in Berlin vor einem Treffen mit dem Präsidenten der Afrikanischen Union (AU), Mahmoud Ali Youssouf.
Dort leiden zurzeit über 20 Millionen Menschen an Hunger, das ist fast die Hälfte der Landesbevölkerung.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
Deutschland zähle zu den größten Gebern humanitärer Hilfe und unterstütze die Bemühungen einer Vermittlergruppe aus den USA, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten um einen Waffenstillstand. Die Bundesregierung hatte nach Angaben des Auswärtigen Amts im vergangenen Jahr mehr als 160 Millionen Euro für Sudan und seine Nachbarländer zur Verfügung gestellt.
Durch die neu ausgebrochenen Kämpfe geraten Hunderttausende Menschen im Südsudan in Lebensgefahr. Hilfsorganisationen haben wegen Sicherheitsbedenken inzwischen ihre Aktivitäten ausgesetzt.
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Youssouf mahnte vor der Konferenz konkrete Ergebnisse und Hilfszusagen an. Es müsse darum gehen, "wie wir das sudanesische Volk am besten unterstützen können". Er warnte, dass der Sudan ohne mediale Aufmerksamkeit und die Mobilisierung von Hilfsgeldern seinem Schicksal überlassen werde.
Die AU, die Mitgastgeberin der Konferenz im Auswärtigen Amt ist, wolle "mit der Unterstützung Deutschlands und anderer Partner" einen Waffenstillstand erreichen.
Nach Ansicht verschiedener Hilfsorganisationen und der Vereinten Nationen hat sich die Lage für die Zivilbevölkerung zunehmend verschlechtert. Drohnen würden verstärkt eingesetzt, die auch Märkte, Gesundheitseinrichtungen und Wohnviertel treffen. Vor allem Frauen und Mädchen erlebten systematisch sexualisierte Gewalt. In Teilen des Landes würden Menschen ausgehungert. Gleichzeitig benötigen fast 34 Millionen Menschen humanitäre Hilfe. Die Zahl derer, die im Land vertrieben oder in Nachbarländer geflüchtet sind, wird auf knapp 12 bis mehr als 14 Millionen geschätzt. Laut den Vereinten Nationen sind für das Jahr 2026 bislang nur rund 16 Prozent der benötigten Mittel gedeckt.
Quelle: KNA
Hilfsorganisationen fordern mehr Einsatz
Der Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, Florian Westphal, forderte deutlich höhere Anstrengungen für den Schutz der Zivilbevölkerung. "Das Problem ist nicht, dass die Krise im Sudan unbekannt ist", sagte Westphal. "Das Problem ist, dass nicht genug getan wird, um ihr zu begegnen."
Es scheint, als würde die Welt dieser Krise tatenlos zusehen, anstatt aktiv dagegen vorzugehen.
Florian Westphal, Geschäftsführer Save the Children Deutschland
Westphal verwies auf einen UN-Bericht, dem zufolge allein im vergangenen Jahr mehr als 1.300 Kinder im Sudan getötet oder verstümmelt worden seien. Mehr als 190 Kinder wurden diesem Bericht zufolge vergewaltigt oder Opfer sexueller Gewalt. "Und diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs, da viele der an Kindern begangenen Verbrechen nicht dokumentiert sind", betonte er.
Die humanitäre Krise im Sudan spitzt sich immer mehr zu. Die Folgen: Zerstörung, Hunger und Vertreibung. Unter folgendem Konto können Hilfen für Menschen vor Ort gespendet werden:
Aktionsbündnis Katastrophenhilfe
Spendenkonto: Commerzbank
IBAN: DE65 100 400 600 100 400 600
Stichwort: ZDF Nothilfe Sudan
Im Aktionsbündnis Katastrophenhilfe haben sich Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, UNICEF und Diakonie Katastrophenhilfe zusammengeschlossen.
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