Statine: Pro und Contra von Cholesterinsenkern

Cholesterinsenker sinnvoll einsetzen:Statine: Was Sie zu Vor- und Nachteilen wissen sollten

von Andreas Kürten

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Millionen Menschen nehmen Statine ein, um sich vor Schlaganfall oder Herzinfarkt zu schützen. Doch die Cholesterinsenker haben keinen guten Ruf. Zu Unrecht? Was dahinter steckt.

Eine Packung Tabletten, die den Wirkstoff Atorvastatin enthalten zur Senkung des Cholesterinspiegels.

Der Wirkstoff Atorvastatin senkt den Choletsrinspiegel. Er wird eingesetzt, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu minimieren.

Quelle: Imago / Avalon

Statine gehören zu den am meisten verschriebenen Medikamenten in Deutschland. Sie werden seit vielen Jahren als Lipidsenker eingesetzt, um bestehende Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren. Denn erhöhte Blutfette begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose und ihren lebensbedrohlichen Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.


Wie Statine wirken

Statine wirken entzündungshemmend und senken das LDL-Cholesterin im Blut. Dabei handelt es sich um ein Bluteiweiß, an das sich Cholesterin anlagert, um in den Blutgefäßen transportiert zu werden. Bei zu hohen Werten kommt es zu Ablagerungen (Plaques) in den Arterien, die zum Verschluss der Gefäße führen können.


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Statine hemmen ein Enzym (HMG-CoA-Reduktase) in der Leber, das an der Produktion von Cholesterin beteiligt ist. Dadurch wird weniger Cholesterin gebildet. In der Folge sinkt der Wert des schädlichen LDL-Cholesterins im Blut. So kann es an den Gefäßwänden keine Schäden mehr anrichten. Ksenija Stach, Endokrinologin, Diabetologin und Lipidologin an der Health and Medical University Potsdam, weist auf einen weiteren wichtigen Effekt hin:

Mit den hochpotenten Statinen, die uns heute zur Verfügung stehen, können wir nicht nur LDL-Cholesterin in einen Zielbereich reduzieren. Sie helfen auch, bestehende Plaques zu stabilisieren.

Prof. Dr. Ksenija Stach, Lipidologin

Wenn Plaques einreißen oder sich lösen, ist das Risiko besonders groß, dass sie Arterien verstopfen und den Blutfluss behindern. Durch den stabilisierenden Effekt werde das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt gesenkt, so die Expertin.

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Wer mit Statinen behandelt wird

Statine werden insbesondere Menschen mit einer Gefäßerkrankung oder einem bereits erlittenen Herzinfarkt oder Schlaganfall verschrieben. Außerdem sind sie für Risikogruppen relevant, zum Beispiel für Diabetiker, Übergewichtige und Raucher.

Auch Menschen, die erblich bedingt von stark erhöhten Cholesterinwerten betroffen sind, zum Beispiel bei einer familiären Hypercholesterinämie, gehören zur Risikogruppe. In Deutschland sind das etwa 500.000 Patienten.

Bei der Krankheit handelt es sich um eine genetische Störung, die es dem Körper erschwert, Cholesterin aus dem Blut zu entfernen. Wird diese nicht erkannt, können Menschen mit dieser Störung bereits in jungen Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommen - sogar Kinder und Jugendliche. Früherkennung ist daher wichtig, damit die Krankheit erfolgreich behandelt werden kann.


"Gesundes-Herz-Gesetz" zur Prävention

Um die Früherkennung und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern, wurde vom Bundestag 2024 das "Gesunde-Herz-Gesetz" beschlossen. Außerdem hat der Gemeinsame Bundesausschuss G-BA, das wichtigste Organ der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, die Verschreibung von Statinen gelockert.

  • Seit 2025 können Statine bereits Menschen verschrieben werden, deren Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, in den nächsten zehn Jahren bei über zehn Prozent liegt. Der Wert lag vorher bei über 20 Prozent.
  • Im Rahmen der Kinder- und Jugenduntersuchungen soll es eine Früherkennungsuntersuchung geben, damit Kinder mit familiärer Hypercholesterinämie frühzeitig erkannt und behandelt werden.
  • Für Erwachsene ab 25 Jahren soll eine nach Alter und Risiko gestufte Früherkennungsuntersuchung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingeführt werden - danach dann wieder mit 40 und 50 Jahren.

Die erweiterte Verordnung von Statinen könnte für Arztpraxen erheblichen Mehraufwand bedeuten. Experten rechnen mit bis zu 300 neuen Dauerpatienten pro Praxis. Ksenija Stach befürwortet eine bessere Versorgung von Patienten mit Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ich sehe das für Patienten mit einer genetischen Fettstoffwechselstörung. Sie haben Anspruch auf eine lipidsenkende Therapie.

Prof. Dr. Ksenija Stach, Lipidologin

Viele Patienten müssten der Expertin zufolge nun nicht mehr dafür kämpfen, ein Statin-Präparat verordnet zu bekommen. Kritiker weisen darauf hin, dass mit der zunehmenden Einnahme von Statinen auch häufiger Nebenwirkungen verbunden sein können.

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Nebenwirkungen von Statinen

Zu den bekannten Nebenwirkungen von Statinen gehören erhöhte Leberwerte und ein erhöhtes Risiko für Diabetes. Zudem können sie Muskelschmerzen unterschiedlicher Intensität hervorrufen.

Daher muss individuell betrachtet werden, welchen Wirkstoff Betroffene am besten vertragen. Kritiker merken außerdem an, dass trotz der Einnahme von Statinen Herzinfarkt oder Schlaganfall auftreten können.

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Statine und Mythen

Skeptiker weisen regelmäßig auf eine angebliche Wirkungslosigkeit von Statinen hin und werfen der Pharmaindustrie vor, sie wolle mit den Substanzen nur Profit erzielen. Die Deutsche Herzstiftung e. V. weist jedoch darauf hin, dass Statine relativ preiswert seien und ihre positiven Effekte auf eine Arterienverkalkung in zahlreichen internationalen Studien hinreichend belegt seien.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 6. Juni 2025 veröffentlicht und am 22. Juni 2026 aktualisiert.

Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 22.06.2026, ab 09:05 Uhr.

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