Schiffsverkehrs-Daten: So ist die Lage an der Straße von Hormus

Analyse von Schiffsverkehrs-Daten:Mehrere Tanker passieren Straße von Hormus - trotz Blockade

von Oliver Klein, Mine Ates, Nils Metzger

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Durch die Straße von Hormus fahren weiter Schiffe mit Iran-Bezug, selbst sanktionierte Tanker. Die USA sagen: Die Sperre funktioniert. Werden die Schiffe woanders aufgebracht?

Eine Karte des Irans im Hintergrund, vorne der chinesiche Staatschef Xi Jinping.

China kritisiert die US-Blockade der Straße von Hormus. Droht eine neue Eskalation zwischen den Mächten? ZDFheute live analysiert

14.04.2026 | 22:30 min

Die Welt blickt gebannt auf die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schlagadern des Welthandels. Gestern hatte das US-Militär als Gegenmaßnahme zur Sperrung der Meeresenge durch Iran damit begonnen, den Schiffsverkehr von und zu iranischen Häfen zu blockieren. Doch offenbar kamen in den darauffolgenden Stunden mehrere Schiffe mit Iran-Bezug zunächst durch.

Die amerikanischen Streitkräfte indes beteuern, dass die Blockade funktioniere: "In den ersten 24 Stunden kam kein Schiff durch die US-Blockade hindurch, und sechs Handelsschiffe folgten der Anweisung der US-Streitkräfte, umzukehren und wieder in einen iranischen Hafen am Golf von Oman einzulaufen", heißt es in einer Mitteilung der US-Streitkräfte bei X.

Posting des Central Command bei X

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Was steckt dahinter? ZDFheute analysierte Schiffsverkehrsdaten von Onlinediensten wie MarineTraffic, die Positionen von Schiffen und deren Bewegungen in Echtzeit auf einer Karte darstellen. So konnten mehrere Tanker und Frachtschiffe identifiziert werden, die die Straße von Hormus auch nach der Sperrung durch die USA noch durchqueren konnten.

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Sanktionierter Tanker durchquert Meerenge

Beispiele: Der Tanker "Rich Starry" hatte noch am Montagnachmittag einen Versuch abgebrochen, die Meerenge zu passieren - am Dienstagmorgen fuhr das Schiff dann offenbar unbehelligt durch. Brisant: Laut einem Bericht des Schifffahrtsdatenunternehmens Lloyd’s List fährt die "Rich Starry" unter falscher Flagge, aktuell unter der Flagge Malawis. Der Tanker unterliegt US-Sanktionen wegen seiner Beteiligung an iranischen Exporten. Er war unmittelbar vorher in Warteposition vor der Küste Schardschas. Es war zunächst unklar, ob er zuvor im Iran angelegt oder iranisches Öl geladen hatte.

Route des Tankers "Rich Starry" bei vesselfinder.com

Route des Tankers "Rich Starry" bei vesselfinder.com

Quelle: Screenshot, vesselfinder.com (14.04.2026)

Lloyd’s List berichtete unter Berufung auf Schiffsregister- und Trackingdaten, dass der Tanker einer chinesischen Reederei gehöre und auf dem Weg nach China sei. Auch der Frachter "Christianna" passierte am Montagnachmittag die Straße von Hormus. Das rund 230 Meter lange Schiff lief zuletzt intensiv iranische Häfen an, transportierte vor allem Getreide und Lebensmittel.

ZDFheute identifizierte weitere Schiffe: Ein Öltanker und ein Asphalt- und Bitumentanker, die über die Straße von Hormus in den Persischen Golf einfuhren - sowie zwei Frachtschiffe, die herausfuhren.

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Manche Schiffe änderten Kurs nach US-Sperrung

Der Tanker "Peace Gulf" etwa transportiert üblicherweise iranisches Naphtha, einen petrochemischen Grundstoff. Auch der Tanker "Murlikishan" fuhr durch die Straße von Hormus, obwohl er unter US-Sanktionen steht. Andere Schiffe, etwa der Tanker "Ostria" änderten gestern ihren Kurs und drehten um, als die USA die Sperrung der Straße von Hormus begannen.

Dennoch fuhren in den ersten 24 Stunden der US-Blockade insgesamt etwa so viele Schiffe durch die Meerenge wie im täglichen Durschnitt der vergangenen sechs Wochen.

Werden die Schiffe woanders gestoppt?

Wie weit diese Schiffe kommen, ist jedoch eine andere Frage. Johannes Peters, Experte für maritime Sicherheit von der Universität Kiel, erklärte dazu bei ZDFheute live:

Es ist davon auszugehen, dass die Blockade sich nicht unmittelbar an der Straße von Hormus befindet.

Johannes Peters, Experte für maritime Sicherheit, Universität Kiel

Seine Erklärung: Je dichter die US-Kriegsschiffe an der Straße von Hormus operieren, desto gefährdeter seien sie durch iranische Raketen oder Drohnen. Es sei für die USA nicht nötig, ihre Schiffe und ihre Crews einem größerem Risiko auszusetzen, weil die Kontrolle der Region auch "etliche Seemeilen oder sogar hunderte Seemeilen vor der iranischen Küste" erfolgen könne.

Johannes Peters, Experte für maritime Sicherheit von der Uni Kiel

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14.04.2026 | 10:29 min

Dazu passt, dass einige der Schiffe, die zuvor durch die Straße von Hormus fuhren, sich nun nicht mehr bewegen oder auf ihrer Route zurückfahren, wie beispielsweise die "Rich Starry".

Manche Schiffe fahren unerkannt durch Straße von Hormus

Es tauchen auch nicht alle Fahrten durch die Straße von Hormus zwangsläufig in den Tracking-Portalen auf. Manche Schiffe fahren auch verdeckt und ohne AIS-Signal. So wird ihre Position nicht digital übertragen - Experten sprechen von sogenannten "Dark Ships".

Wie hoch ihr Anteil im Verlauf des Iran-Kriegs war, kann nicht sicher gesagt werden. Während solche Maßnahmen für kommerzielle Schiffe westlicher Reedereien eher ungewöhnlich sind, sind sie bei teils sanktionierten russischen, chinesischen oder iranischen Frachtern seit Jahren dokumentiert.

Links ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa in Islamabad und rechts ZDF-Korrespondent David Sauer in Washington.

Die US-Marine will fortan kontrollieren, welche Schiffe die Straße von Hormus passieren. Welche Folgen das hat – Einschätzungen der ZDF-Korrespondenten.

13.04.2026 | 14:54 min

Quelle: mit Material von dpa, AP, Reuters
Über dieses Thema berichtete unter anderem heute Xpress am 14.04.2026 um 15:00 Uhr.

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